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EVG Landwege eG: übernimmt das Freibackhaus von 1293

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Lübeck. (evg / eb) Die Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft EVG Landwege eG hat die Vollkornbäckerei Freibackhaus übernommen. Für Sylvia und Carsten-Peter Schwartz, seit gut 30 Jahren Hand, Hirn und Herz von Deutschlands wohl ältester Backstube, ist die Landwege eG der Wunschkandidat für die Unternehmensnachfolge.

Auf das in sie gesetzte Vertrauen sind die Genossen rund um die geschäftsführenden Vorstände Martina Andres und Klaus Lorenzen sehr stolz. Gemeinsam mit dem neuen Bäckermeister Ulrich Römer und allen Mitarbeitenden werden sie die hanseatischen Freibackhaus-Tugenden fortführen und weiterentwickeln: Innovatives Bio-Vollkorn-Handwerk – mit Tradition, für die Zukunft. Römer ist leidenschaftlicher Biobäcker seit über 20 Jahren und war lange Zeit Produktionsleiter beim Springer BioBackwerk in Hamburg.

Die Wurzeln des Freibackhauses gehen zurück bis auf das Jahr 1293(*): Seitdem ist das Backhaus an Lübecks Glockengießerstraße urkundlich als Bäckerei erwähnt. Heute zählt es zum Weltkulturerbe der Unesco und steht seit 1967 unter Denkmalschutz. Durchgehend als Backhaus in Betrieb, erlebte die Backstube zahlreiche Umbau- und Sanierungsmaßnahmen, bevor sie 1987 als Vollkornbäckerei unter dem historischen Namen «Das Freibackhaus» wiedereröffnete und so die über 700-jährige Backtradition fortsetzte.

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In Absprache mit dem Amt für Denkmalpflege entstand dabei unter Nutzung baubiologischer Materialien ein moderner Betrieb in alten Gemäuern. Die Backstube befindet sich direkt hinter dem Laden. Im Schaufenster steht eine große Natursteinmühle, mit der die Bäcker täglich frisches Vollkornmehl für ihre Backwaren herstellen. Nicht nur dafür ist die Vollkornbäckerei heute eine Attraktion für sich. Längst ist das Freibackhaus zudem die letzte Bäckerei mit angeschlossener Backstube auf der Lübecker Altstadtinsel.

Der Name «Das Freibackhaus» geht auf den Handwerkerstand der Freibäcker im 16. Jahrhundert zurück: Damals nutzten die Lübecker Bäcker ihre Monopolstellung aus und geizten bei ihren Broten und Brötchen an Zutaten und Größe. Als sich das Volk beim Rat beschwerte, setzte dieser vier sogenannte «Freibäcker» ein, deren Backwaren ein Qualitätssiegel als Gewähr für die vorgeschriebene Größe und Güte erhielten.

(*) Eine Quelle auf WikiMedia von 2011 gibt an, dass eine Bäckerei an Lübecks Glockengießerstraße 42 erstmals 1313 erwähnt wurde. Die Fassade des Hauses wurde Mitte des 18. Jahrhunderts umgestaltet. Wie auch immer: Ob 726 oder «nur» 706 Jahre durchgehend als Bäckerei-Standort verbürgt, gehört die Bäckerei zu den ganz großen Schätzen Norddeutschlands (TitelFoto: pixabay.com – TextFoto: Landwege).