Freitag, 7. Oktober 2022

EU-Ernährungsindustrie unterzeichnet Verhaltenskodex

Brüssel / BE. (bve) Den neuen EU-Verhaltenskodex für verantwortungsvolle Geschäfts- und Marketingpraktiken in der Lebensmittelkette haben jetzt Frans Timmermans, Vizepräsident der Europäischen Kommission, sowie die EU-Kommissare Stella Kyriakides (Gesundheit und Lebensmittelsicherheit) und Thierry Breton (Binnenmarkt) zur Unterschrift und Beteiligung für Unternehmen und Verbände freigegeben. FoodDrinkEurope, der europäische Dachverband der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, hat den EU-Verhaltenskodex als einer der ersten Verbände der Branche unterzeichnet. Mit dem EU Verhaltenskodex verpflichtet sich die Branche, sieben Nachhaltigkeitsziele umzusetzen, darunter klimaneutrale Lebensmittelketten, eine optimierte Kreislaufwirtschaft, die Reduktion von Lebensmittelabfällen und ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum.

Der Verhaltenskodex ist Teil der Farm to Fork-Strategie der EU-Kommission, die Unterzeichner verpflichten sich zu Zielen und Fortschrittsberichten, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen. Er gilt als Prolog für das Gesetz der EU-Kommission zu nachhaltigen Lebensmittelsystemen, das für 2023 geplant ist.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und der Lebensmittelverband haben als Mitglieder von FoodDrinkEurope intensiv an der Gestaltung des Kodex mitgearbeitet. «Uns war wichtig, auf freiwilliger Basis Verpflichtungen einzugehen, solange der Regulierungsrahmen durch den Green Deal noch nicht abgeschlossen ist. Wir setzen uns dafür ein, dass der Kodex für alle Firmen anwendbar ist und zum Beispiel vorhandene Instrumente und Daten sinnvoll integriert werden können, statt doppelten Aufwand zu erzeugen», sagt Stefanie Sabet, Geschäftsführerin und Leiterin des BVE-Büros Brüssel.

Die Ernährungsindustrie ist bereit, die Vorreiterrolle beim Thema Nachhaltigkeit zu übernehmen, die ihr die Politik zugedacht hat. Allerdings dürften die Unternehmen nicht überfordert werden.

«Das Problem ist die Parallelität der Anforderungen: Gerade kleine und mittelständische Betriebe, die 90 Prozent der Lebensmittelhersteller ausmachen, können nicht gleichzeitig die Verpackungen oder Produktionslinien umstellen, Ernährungs-, Klima- und Tierwohllabel einführen, klimaneutral werden odr/und umfassende Methoden zur Datenerhebung und -auswertung für die gesamte Lieferkette implementieren. Das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele ist ein Prozess, der sowohl personell als auch wirtschaftlich in den Unternehmen umsetzbar sein muss. Man darf nicht vergessen: Wir konkurrieren auf dem EU-Markt ebenso wie im Export mit Unternehmen aus der ganzen Welt, wo die gesetzlichen Anforderungen teilweise deutlich niedriger sind. Wer die europäischen Hersteller überfordert, betreibt Strukturpolitik, die am Ende zu Abwanderung oder Geschäftsaufgabe führen kann», mahnt Sabet.

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