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Ernte 2019: Raiffeisenverband zieht gemischte Bilanz

Berlin. (drv) Trotz der witterungsbedingten Unterbrechungen in den vergangenen zwei Wochen ist die Getreide- und Rapsernte in Deutschland weitgehend abgeschlossen. Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) geht in seiner aktuellen Prognose von 46,2 Millionen Tonnen Getreide aus. Dieser Wert entspricht dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. «Der Regen der vergangenen Wochen ist gerade noch rechtzeitig gefallen, um die Körnermaisbestände vor weiteren Schäden zu bewahren», sagt DRV-Getreidemarktexperte Guido Seedler zum Ergebnis der Schätzung.

Weniger Raps gab es zuletzt 1997

Beim Raps hat der Verband trotz der Hitzewelle die Ernteprognose des Vormonats weitgehend halten können und erwartet nun 2,8 Millionen Tonnen. «Damit wird die niedrigste Erntemenge seit 1997 eingefahren, der Fünf-Jahres-Durchschnitt von gut 4,7 Millionen Tonnen um fast 40 Prozent verfehlt», sagt Seedler. Grund für dieses mehr als enttäuschende Ergebnis ist überwiegend eine deutlich geringere Erntefläche als im Vorjahr. Der Rückgang beträgt nach den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes 30 Prozent.

Mengen und Qualitäten fallen sehr unterschiedlich aus

Die heiße und trockene Witterung der letzten Wochen hat zu weiteren Ertragsverlusten und heterogenen Qualitäten geführt. Ausgenommen davon ist nur die Wintergerste, die bereits druschreif war, als die extreme Hitzewelle begann. Hier hat der DRV seine Prognose im Vergleich zum Vormonat auf knapp 10,1 Millionen Tonnen leicht angehoben. Der Winterweizen wurde von den Rekordtemperaturen allerdings in vielen Regionen noch in der Abreifephase getroffen, so dass die Prognose hierfür nur noch bei 23,5 Millionen Tonnen liegt. Besonders betroffen waren weite Teile im Osten Deutschlands, da die Böden dort aufgrund der extremen Dürre 2018 bereits trocken waren. Die Qualitäten schwanken je nach Standort, sind aber nach den derzeit vorliegenden Ergebnissen in der Summe gut bis durchschnittlich. Bei der Sommergerste ist witterungsbedingt teilweise ein hoher Schmachtkornanteil festzustellen.

Politik beeinflusst die Stimmung am Markt

Die weitere Entwicklung an den internationalen Getreidemärkten wird besonders von handelspolitischen Entscheidungen abhängen. Die jüngsten Verschärfungen des Handelskonflikts zwischen den USA und China haben zu weiteren Verunsicherungen an den Rohstoffmärkten geführt. Darüber hinaus könnten die Exportchancen besonders für deutschen Weizen nach Saudi-Arabien künftig sinken. Das Land hat kürzlich seine Qualitätsanforderungen für Importe gelockert. Damit steigt die Gefahr, dass in den kommenden Monaten mehr Weizen aus der Schwarzmeerregion in den Nahen Osten fließen wird. Dies unterstreicht umso mehr die Notwendigkeit, zusätzliche Drittstaaten für deutsches Getreide zu öffnen. Der DRV arbeitet gemeinsam mit den anderen Verbänden der deutschen Getreidewirtschaft daran, einen Zugang nach Mexiko, China und Indonesien zu erhalten.

Mit der vorliegenden Meldung schließt der DRV seine Ernteschätzungen in Bezug auf 2019 ab. Für Körnermais wird der Verband voraussichtlich in der ersten Novemberhälfte eine abschließende Bewertung veröffentlichen.