Freitag, 7. Oktober 2022
20220330-GASFLAMME

Energieträger: Substitution ist nur eine Seite der Medaille

Berlin. (bve) Der Wechsel von Erdgas auf andere Energieträger ist mit Kosten und Zeit verbunden. Das bezieht sich sowohl auf Planung als auch Durchführung eines neuen Konzepts. Der gegenwärtige Kostendruck ist hoch. Selbst wenn er es nicht wäre, stellt die Projektierung die Betriebe doch vor große Herausforderungen. Sie müssen nun auf verschiedenen Ebenen Ressourcen bereitstellen, die anders verplant waren oder sind. Manche Einflussgrößen sind gar nicht planbar, weil zum Beispiel der Fachkräftemangel in der Technik selbst das am besten geplante Konzept stark beeinträchtigen und ausbremsen kann. Ähnlich sieht das auch die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), wenn sie in einer ihrer jüngsten Aussendungen zu bedenken gibt:

«Wir müssen feststellen, dass der Wechsel von Erdgas auf andere Energieträger kurzfristig nur sehr begrenzt möglich ist. Das technische Potenzial für einen Fuel Switch liegt mit Blick auf den Winter 2022/2023 bei ungefähr acht bis zehn Prozent. Dabei führen die Unternehmen vor allem Heizöl als alternativen Brennstoff an,» sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Peter Feller auf Grundlage einer aktuellen Branchenbefragung.

Die Umfrage, an der sich 65 Unternehmen beteiligt haben, hat zudem ergeben, dass aufwändige technische Umsetzungen, die mit hohen Kosten verbunden sind, sowie behördliche Genehmigungsverfahren von der Branche als Hürden empfunden werden. Für die Umstellung auf klimafreundliche Energieträger und die damit verbundene Dekarbonisierung der Produktionsprozesse benötigen die Unternehmen eine mehrjährige Vorlaufzeit.

Gleichwohl bestehen grundsätzlich weitere Potenziale, um den Erdgasverbrauch der Branche zu reduzieren. «Substitution ist nur eine Seite der Medaille,» betont Peter Feller, «die andere stellt die Energieeffizienz dar.» Es bieten sich zahlreiche Maßnahmen an, um den Einsatz von Erdgas für die Raum- und Prozesswärme sowie die Produktion zu optimieren, oftmals ohne oder nur mit geringen Investitionssummen. Die Sensibilisierung der Mitarbeiter für das Thema Energieeinsparung ist dabei ein wichtiger Schlüssel für den Erfolg.

Die Ernährungsindustrie gehört zu den größten Erdgasverbrauchern im verarbeitenden Gewerbe: Rund 38 Terrawattstunden werden jährlich für thermische Prozesse und Stromerzeugung genutzt. Vor dem Hintergrund einer drohenden Gasmangellage, die durch die Drosselung russischer Erdgaslieferungen bedingt wird, stellt sich für die Branche die Frage nach Reduktionspotenzialen.

Die BVE unterstützt Unternehmen der Ernährungsindustrie bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahme u.a. mit einem Branchenleitfaden für den Deutschen Nachhaltigkeitskodex und der vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Klimaschutzkampagne plusplusprinzip.de (Foto: pixabay.com).

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