Montag, 26. September 2022

Energieträger: Bohlsener Mühle setzt auf Diversität und Regionalität

Kreis Uelzen. (boh) Der Mix macht’s. Das Energiekonzept der Bohlsener Mühle setzt auf das Motto «weniger, erneuerbar, selbstgemacht». Durch eine neue 750 Kilowatt-Peak (kWp) Photovoltaik-Anlage ist der Bio-Pionier im Kreis Uelzen beim Mahlen, Backen, Mischen und Verpacken wieder einen Schritt weiter.

Vielfalt schafft Resilienz. Nicht nur auf dem Acker und beim Wirtschaften, auch bei der Energienutzung. Hier setzt der Bio-Pionier auf einen Energiemix, der jetzt um eine eigene Photovoltaik-Anlage bereichert wird. Philip Luthardt, Leitung Nachhaltigkeitsmanagement, beschreibt das an Autonomie und geringstmöglicher Klimawirksamkeit ausgerichtete Energiekonzept wie folgt: «Wir übernehmen über die ökologische Lebensmittelproduktion hinaus mit unserem Ansatz der Energieerzeugung und -nutzung Verantwortung – für uns und die nächsten Generationen. Unser Energiemanagement basiert auf dem Grundverständnis, dass wir so wenig Energie wie möglich verbrauchen und die benötigte Energie aus erneuerbaren, wenn möglich eigenen Quellen, beziehen. Die Inbetriebnahme der Photovoltaik-Anlage ist ein weiterer Meilenstein unseres Nachhaltigkeitsengagements.»

Mit Wasser, Spelzen, Ökostrom und Sonnenenergie unterwegs

Die 1.949 Photovoltaik-Module werden im Jahresmittel etwa 30 Prozent des gesamten Strombedarfs decken. Und sparen so ungefähr 460 Tonnen CO2. Andauerndes Ziel ist ein stetig sinkender Energieverbrauch pro Produktmenge. Stellschrauben, an denen gedreht werden kann, gibt es viele: Deutlich weniger Energie kann zum Beispiel bei der jüngsten Backstraße durch die Nutzung der Abwärme zur Erzeugung der Grundwärme zu Beginn des Backprozesses genutzt werden.

Der Fluss Gerdau sorgt in der Mühle schon seit mehr als 700 Jahren für Energie und auch heute wird ein Teil der benötigten Energie weiterhin über Wasserkraft gewonnen. 100 Prozent Ökostrom vom regionalen Versorger sind selbstverständlich, darüber hinaus sorgen innovative Projekte für regionale Lösungen – und Gemeinschaftssinn: Bei der Verarbeitung von Getreide fallen in der Mühle Spelzen an. Diese werden in der Dinkelspelzen-Heizzentrale benutzt, um mehr als 70 Haushalte im Dorf Bohlsen mit klimaneutraler Wärme zu versorgen. Das Nahwärmenetz wird dabei von einer eigens gegründeten Bürgerenergiegenossenschaft betrieben. Auch ein Teil der Unternehmensgebäude kann auf diese Weise gewärmt werden.

Regenerative Energien haben unschlagbare Vorteile

Auch wenn das Unternehmen für den Backprozess selbst noch Erdgas benötigt, hält Geschäftsführer Mathias Kollmann die Einstufung von Gas und Atomkraft als grüne Energie in der Taxonomie für Greenwashing und einen falschen Anreiz durch die EU-Politik. «Die regenerativen Energien haben zwei unschlagbare Vorteile,» argumentiert Kollmann: «Ihre Klimawirksamkeit ist minimal und sie sind regional verfüg- und nutzbar. So kann jedes Unternehmen einen gewissen Grad an Energie-Autonomie erreichen, ein wichtiger Aspekt wirtschaftlicher Resilienz. Die Taxonomie, die jetzt Atomkraft und Gas als grüne Energie ausweist, ist für mich klares Greenwashing. Darüber hinaus zahlt sie in die Kassen großer Konzerne ein, statt Regionalität und Diversität in der Energieversorgung zu fördern.» Er weist darauf hin, dass es wohl die Unternehmerinnen und Unternehmer sein müssen, die die erforderlichen Veränderungen, egal ob in Landwirtschaft, Energieversorgung oder Mobilität, vorantreiben: «Die Politik wird zu sehr von den wirtschaftlichen Interessen der Konzerne in die Zange genommen. Was mich aber trotzdem hoffnungsvoll in die Zukunft blicken lässt, sind die vielen ökologischen und sozialen Innovationen von Mittelständlern und immer mehr auch von Start-ups» (Foto: Bohlsener Mühle).

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