Freitag, 2. Dezember 2022

Edeka: Verbund wächst auch 2021 aus eigener Kraft

Hamburg. (ez) Auch im zweiten Jahr der Corona-Pandemie hat das genossenschaftliche Modell des von selbstständigen Kaufleuten geführten Einzelhandels seine Stärke unter Beweis gestellt. Die rund 3.500 Kaufleute im Edeka-Verbund erwirtschafteten im Jahr 2021 Umsätze in Höhe von insgesamt 34,7 Milliarden Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 4,7 Prozent gegenüber dem Ausnahmejahr 2020. «Unternehmergeist, Kundennähe, echte Vielfalt und das Schaffen von Einkaufserlebnissen – das Leistungsspektrum der Edeka-Kaufleute sucht seinesgleichen und bleibt unser größter Vorteil im intensiv geführten Wettbewerb», sagt Markus Mosa, Vorstandsvorsitzender der Edeka-Zentrale. Im Discount-Segment verbuchte die Unternehmenstochter Netto Marken-Discount ein Wachstum von rund einem Prozent auf aktuell 14,7 Milliarden Euro. Insgesamt steigerte der Edeka-Verbund sein Umsatzvolumen letztes Jahr um 2,9 Prozent auf 62,7 Milliarden Euro. Der Jahresbeginn 2022 wird überschattet vom Kriegsgeschehen in der Ukraine und der steigenden Inflation in Deutschland.

Einzelhandel mit Backwaren

Im Einzelhandel mit Backwaren wirkte sich die Covid-19-Pandemie in 2021 weiterhin nachteilig aus. Nach Angaben im Konzernbericht – zu finden auf der Webseite Geschäftsbericht des Verbunds am unteren Ende im Kleingedruckten – sank der Nettoumsatz gegenüber 2020 mit 474 Millionen Euro um sechs Prozent auf 445 Millionen Euro. Andererseits ist die Edeka Zentrale bei der Konzerntochter Netto Marken-Discount sehr erfolgreich mit Backwaren unterwegs. Mit kaufmännischen Details hält sich die Zentrale erwartbar zurück. Immerhin ein kleiner Hinweis: «Zur Produktion der (bei Netto verkauften) vorgegarten Teiglinge wird mit einem Kooperationspartner ein vollautomatisches Backwerk mit automatisiertem Tiefkühllager betrieben,» heißt es im Konzernbericht. Gemeint ist wahrscheinlich die Panem Backstube GmbH in Bleicherode, an der Edeka eine Kapitalbeteiligung von 49,8 Prozent hält. Weitere Einzelheiten zum Handel mit Backwaren sind besser in den Geschäftsberichten der Regionalgesellschaften aufzufinden.

Investitionsvolumen des Edeka-Verbunds

Das Investitionsvolumen des Edeka-Verbunds in die eigene Handelsinfrastruktur lag im letzten Jahr bei 2,2 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr sind dafür sogar 2,8 Milliarden Euro eingeplant. «Was wir bei Edeka erwirtschaften, fließt zurück ins Geschäft und kommt somit dem gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland zugute – und nicht anonymen Investoren», sagt Markus Mosa. Im Fokus stehen weiterhin die Expansion mit zukunftsfähigen Märkten, die Optimierung des Logistik-Netzwerks, das Vorantreiben digitaler Innovationen auf allen Ebenen sowie – mit «Budni» und «Trinkgut» – der Ausbau spezialisierter Fachmarktkonzepte im Drogerie- und Getränke-Segment.

Ausbau der Marktposition im deutschen Lebensmittelhandel

Auch im Jahr 2021 schafften es Edeka und Netto Marken-Discount, ihre Marktposition im deutschen Lebensmittelhandel auszubauen. Dazu trug die Eröffnung von insgesamt 272 neuen Einzelhandelsstätten sowie die Modernisierung bestehender Standorte bei. Die Gesamtverkaufsfläche im Edeka-Verbund wuchs im Jahresverlauf um 2,1 Prozent auf 11,8 Millionen Quadratmeter. Neben der organischen Expansion stärkte Edeka sein Geschäft durch gezielte Akquisitionen. Dazu zählten die ersten 16 Real-SB-Warenhäuser, die seitens der beteiligten Edeka-Regionalgesellschaften Schritt für Schritt und zukunftsorientiert in das jeweilige Vertriebsnetz integriert werden. Im Rahmen der Akquisition kommen kurz- und mittelfristig rund 80 großflächige Märkte mit einem Umsatzvolumen von rund 2 Milliarden Euro hinzu.

Edeka und Netto Marken-Discount stärkten 2021 auch ihre Position als führende Arbeitgeber und Ausbilder in Deutschland: Im Jahresverlauf wurden rund 2.900 neue Arbeitsplätze im Verbund geschaffen. Insgesamt 404.900 Mitarbeitende trugen dazu bei, die bundesweite Versorgung der Menschen mit einem vielfältigen Lebensmittelsortiment – darunter ein hoher Anteil aus regionaler Erzeugung – auch im zweiten Corona-Jahr jederzeit sicherzustellen. Die Zahl der Auszubildenden bei Edeka und Netto Marken-Discount lag zum Jahresende bei 19.870 und damit etwa 600 über dem Vorjahr. Verbundweit vollzogen 2021 zudem 103 Existenzgründende den Schritt in die Selbstständigkeit mit einem eigenen Edeka-Markt.

Preiswürdigkeit im Fokus

Der Krieg in der Ukraine verschärft die zuletzt ohnehin steigende Inflation – besonders mit Blick auf den Energie- und Kraftstoffsektor – noch einmal deutlich. «Steigende Verbraucherpreise dürfen aber nicht als Alibi der Industriekonzerne dienen, um ihre Renditen mit überhöhten Preisforderungen zu maximieren», stellt Markus Mosa klar. Daher werde Edeka auch in Zukunft, durch konsequente Verhandlungen mit den Herstellern, alle vermeidbaren Preiserhöhungen abwenden. Nicht vermeidbare Preiserhöhungen dürften nicht allein den Verbrauchenden aufgebürdet, sondern müssten in der gesamten Wertschöpfungskette verteilt werden. Der Edeka-Verbund investiert in erheblichem Umfang, um die Verkaufspreise möglichst stabil zu halten – auch zu Lasten der eigenen Marge. Grundsätzlich sieht sich der Verbund im Preiswettbewerb gut aufgestellt. Ein wichtiger Hebel ist dabei – neben einer großen Markenvielfalt – das preislich besonders attraktive Eigenmarken-Angebot. «Bei uns gibt es rund 7.000 Produkte zum Discount-Preis», sagt Markus Mosa. «In jedem Edeka-Markt steckt somit auch ein Discounter.»

Mit Gründung des Einkaufsunternehmens «Epic Partners» hat Edeka Mitte 2021 die Voraussetzung geschaffen, an der Seite weiterer europäischer Handelsunternehmen auf Augenhöhe mit multinationalen Industriekonzernen zu verhandeln und so ein starkes Gegengewicht für faire Preise in Europa zu bilden. Bereits im Jahr zuvor hatte Edeka mit seinem Partner Picnic das Einkaufsbüro «Everest» mit Sitz in Amsterdam ins Leben gerufen. Everest stärkt die Edeka-Position in Verhandlungen mit der Industrie zusätzlich.

Herausforderungen im Blick

Mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr sieht sich der Edeka-Verbund mit großen Herausforderungen konfrontiert. Dazu zählt in erster Linie der russische Angriffskrieg in der Ukraine, der massive Auswirkungen auf die Rohstoffmärkte, die internationalen Lieferketten und die Konjunktur in Deutschland und Europa mit sich bringt – und damit verbunden explodierende Energiepreise und eine weiterhin steigende Inflation. Markus Mosa: «Worauf es jetzt ankommt, ist nicht nur unsere Preiswürdigkeit zu stärken, sondern auch die ureigenen Edeka-Stärken in den Fokus zu rücken: Lebensmittel- und Genusskompetenz, Regionalität, Frische und ein kundenorientiertes Sortiment» (Foto: Edeka Verbund).

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