Donnerstag, 22. Oktober 2020

E-Commerce: Deutschland kauft Lebensmittel zunehmend online ein

Berlin. (bevh) Das überdurchschnittliche Wachstum des E-Commerce hat in Deutschland auch im dritten Quartal angehalten. Die aktuellen Zahlen für das 3. Quartal 2020 der großen Verbraucherstudie des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) zeigen weiterhin ein starkes Wachstum insbesondere bei Gütern des täglichen Bedarfs. Als Motor des Handels insgesamt legt der Online-Handel für das 3. Quartal 2020 mit einem Plus um 13,3 Prozent erneut stärker zu als im entsprechenden Vorjahresquartal (+12,3 Prozent). Kumuliert erhöhte sich der E-Commerce-Umsatz seit Jahresbeginn im Vergleich mit den ersten 9 Monaten 2019 um 10,6 Prozent auf 56.034 Millionen Euro. Aufgrund des Corona-bedingten Einbruchs, vor allem im Bekleidungssektor, im 1. Quartal liegt das im Jahr 2020 aufgelaufene Wachstum prozentual noch leicht unter dem Schnitt der Vorjahre.

Von Juli bis September 2020 verzeichnete die Branche im Online-Handel 19.329 Millionen Euro mit Umsatzsteuer (Q3-2019: 17.063 Millionen Euro mit Umsatzsteuer). Im gesamten Interaktiven Handel (Online- und klassischer Versandhandel) kauften im 3. Quartal 2020 die deutschen Verbraucher Waren für 19.650 Millionen Euro mit Umsatzsteuer (Q3-2019: 17.467 Millionen Euro mit Umsatzsteuer). Demnach hat der Onlinehandel inzwischen einen Anteil von 98,4 Prozent am Gesamtumsatz des Interaktiven Handels. Die digitalen Dienstleistungen wie elektronische Tickets, Downloads, Hotelbuchungen et cetera verloren weiterhin massiv und erreichten mit einem Umsatz von 1.702 Millionen Euro mit Umsatzsteuer. nur noch ein Drittel des Vorjahreswertes von 5.099 Millionen Euro mit Umsatzsteuer.

«Obwohl seit Juli alle Läden wieder geöffnet haben, verlassen sich viele Verbraucher weiter auf die belastbaren Lieferstrukturen des Online- und Versandhandels,» sagt Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des bevh. «Im Vergleich der Vertriebskanäle ist erneut sichtbar geworden, dass die reinen Distanzhändler den größten Teil des Marktwachstums im E-Commerce an sich ziehen konnten.»

Cocooning hält an: Täglicher Bedarf und Einrichtung treiben das Wachstum

Um 34 Prozent ist das Onlinevolumen des Warengruppen-Clusters «Täglicher Bedarf» gestiegen und liegt mit einem Gesamtumsatz von 1.733 Millionen Euro mit Umsatzsteuer (Q3-2019: 1.294 Millionen Euro mit Umsatzsteuer) wie schon im 1. und 2. Quartal an der Wachstumsspitze. Das Warensegment Lebensmittel erreichte dabei mit 633 Millionen Euro mit Umsatzsteuer im 3. Quartal 2020 ein Plus um mehr als die Hälfte im Vorjahresvergleich (+52,9 Prozent gegenüber 414 Millionen Euro mit Umsatzsteuer im 3. Quartal 2019).

Das Geld, das nicht in Reisen fließen konnte, investierten die Deutschen auch im dritten Quartal gern in Haus- und Gartenmöbel. Der Cluster Einrichtung legte mit 19,5 Prozent auf 3.205 Millionen Euro mit Umsatzsteuer zu (Q3-2019: 2.682 Millionen Euro mit Umsatzsteuer).

Überdurchschnittlich oft bestellten die Deutschen auch ihre Medikamente online. Diese Warengruppe wuchs von 220 Millionen Euro mit Umsatzsteuer im 3. Quartal 2019 auf 312 Millionen Euro mit Umsatzsteuer im 3. Quartal dieses Jahres.

Warengruppen-Cluster «Bekleidung» wieder auf normalem Wachstumskurs

Mit einem Wachstum um 12,2 Prozent auf 5.042 Millionen Euro mit Umsatzsteuer hat der E-Commerce-Umsatz mit Bekleidung und Schuhen (Warengruppen-Cluster «Bekleidung») wieder sein normales Wachstumstempo erreicht (Q3-2019: 4.496 Millionen Euro mit Umsatzsteuer). Schaut man nur auf den Online-Handel mit Bekleidung, also ohne Schuhe, stieg dieser im dritten Quartal leicht überdurchschnittich um 13,9 Prozent auf 3.962 Millionen Euro (Q3-2019: 3.477 Millionen Euro). Aufgelaufen seit Jahresbeginn liegt der Umsatz im Cluster Bekleidung bei 13.868 Millionen Euro mit Umsatzsteuer (Q1-2019 bis Q3-2019: 12.899 Millionen Euro mit Umsatzsteuer) und damit bei einem Plus von 7,5 Prozent.

Warengruppen-Cluster «Freizeit»
(DIY/Blumen, Spielwaren, Auto/Motorrad/Zubehör, Hobby/Freizeitartikel)

Auch der Freizeitsektor konnte mit einem überdurchschnittlichen Wachstum weiter Boden gut machen. Der gesamte Online-Umsatz des Warengruppen-Clusters stieg im 3. Quartal 2020 auf 2.274 Millionen Euro mit Umsatzsteuer (Q3-2019: 2.024 Millionen Euro mit Umsatzsteuer), ein Wachstum von 12,3 Prozent. Do-it-youself-Produkte und Auto- bzw. Motorradzubehör zeigten sich mit +17,5 Prozent bzw. +14,4 Prozent dabei besonders robust.

Warengruppen-Cluster «Unterhaltung»
(Bücher/Ebooks/Hörbücher, Computer/Zubehör/Spiele/Software mit Downloads, Elektronikartikel/Telekommunikation)

Deutlich schwächer als der Gesamtmarkt entwickelte sich das Cluster «Unterhaltung», welches nur um 6,1 Prozent auf 6.079 Millionen Euro mit Umsatzsteuer zulegen konnte (Q3-2019: 5.730 Millionen Euro mit Umsatzsteuer). Abkoppeln konnten sich auch hier die Video- und Musik-Downloads als Ersatz für Kino und Konzerte. Die legten online um 18,7 Prozent auf 717 Millionen Euro zu (Q3-2019: 605 Millionen Euro).

Versendertypen im E-Commerce: Onlineshops der stationären Händler laufen dem Markt weiter hinterher

Nur um 6,7 Prozent konnten die Onlineshops stationärer Händler zulegen. Sie erzielten in Summe 2.692 Millionen Euro mit Umsatzsteuer (Q3-2019: 2.522 Millionen Euro mit Umsatzsteuer) und stehen damit für nur knapp 14 Prozent des E-Commerce. Um etwas mehr als 1,1 Milliarden Euro legten hingegen die Online-Marktplätze auf insgesamt 9.075 Millionen Euro mit Umsatzsteuer zu. Prozentual ist das ein Wachstum von 13,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal (7.965 Millionen Euro mit Umsatzsteuer). Prozentual am stärksten konnten erneut die Shops der klassischen Versandhändler wachsen. Sie erreichten 3.495 Millionen Euro mit Umsatzsteuer, 17,3 Prozent mehr als im 3. Quartal 2019 (2.980 Millionen Euro mit Umsatzsteuer). Mit einem Wachstumssprung um 10,9 Prozent auf 2.957 Millionen Euro (Q3-2019: 2.688 Millionen Euro) verpassten die reinen Onlinehändlern im dritten Quartal nur knapp die Grenze von 3 Milliarden Euro, lagen aber auch leicht unter dem Marktwachstum.

Trotz der Delle im ersten Quartal wird der E-Commerce-Umsatz allein mit Waren nach Einschätzung des bevh in 2020 die 80 Milliarden Euro-Marke erreichen. Für den Gesamtmarkt des Interaktiven Handels mit physischen Gütern rechnet der bevh mit einem Wachstum von 10 Prozent auf rund 82 Milliarden Euro brutto. «Je nach Entwicklung der kommenden drei Monate kann der gesamte E-Commerce, inklusive Dienstleistungen, noch die 90 Milliarden Euro-Grenze überspringen. Sobald Reisen und Veranstaltungen wieder online gebucht werden, wird das Marktvolumen des E-Commerce mit Endverbrauchern sicher mehr als 100 Milliarden Euro mit Umsatzsteuer erreichen,» prognostiziert bevh-Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer.

Über die Studie

In der Verbraucherbefragung «Interaktiver Handel in Deutschland» werden von Januar bis Dezember 40.000 Privatpersonen aus Deutschland im Alter ab 14 Jahren zu ihrem Ausgabeverhalten im Online- und Versandhandel und zu ihrem Konsum von digitalen Dienstleistungen (zum Beispiel im Bereich Reisen oder Ticketing) befragt. Das Endergebnis der Studie wird Anfang 2020 nach Abschluss der Umfrage veröffentlicht. Die hier vorgestellten Zahlen basieren auf der Auswertung der Monate Juli bis September 2020. Die Studie wird durch die BeyonData GmbH durchgeführt (Foto: pixabay.com).