Dienstag, 29. November 2022

DRV: Raiffeisenverband gibt fünfte Ernteschätzung 2022 ab

Berlin. (drv) Kann Deutschland mit der diesjährigen Ernte einen Beitrag zur weltweiten Versorgung mit Getreide leisten und die aufgrund des Kriegs in der Ukraine größer werdende Versorgungslücke ein wenig schließen? “Nach unserer Prognose ist dies möglich. Allerdings fehlen uns derzeit die notwendigen Kapazitäten in der nationalen Logistik”, sagt Guido Seedler, Getreidemarktexperte des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV). Einerseits werden viele Binnenschiffe in Südosteuropa gebraucht, um das Getreide der Ukraine über die Donau nach Mittel- und Westeuropa zu bringen. Andererseits fallen in Deutschland gerade viele Binnenschiffe für den Getreidetransport aus, weil sie die Kraftwerke mit Kohle versorgen. Das bindet Kapazitäten. Auch auf Schiene und Straße läuft es nicht rund: In Deutschland fehlen Lokführer (m/w/d) und bis zu 100.000 LKW-Fahrer (m/w/d).

Weiterhin durchschnittliche Ernte erwartet

Trotz der heißen Temperaturen in den letzten Wochen erwartet der DRV wie im Vormonat eine durchschnittliche Getreideernte in Höhe von 43,2 Millionen Tonnen sowie eine Rapsernte von 3,8 Millionen Tonnen. Allerdings hat der Verband die Ernteerwartungen einzelner Getreidearten angepasst. Die Wintergerste, deren Ernte mancherorts schon beendet ist, hat bessere Ergebnisse sowohl bei der Menge als auch den Qualitäten gebracht, als angenommen. Für die gerade begonnene Weizenernte korrigiert der DRV die Erwartungen witterungsbedingt etwas nach unten. Bei dieser Kultur erwartet Seedler heterogene Ergebnisse, je nach Standort und Wasserversorgung. Beim Körnermais passte der Verband seine Ernteprognose ebenfalls leicht nach unten an. Die in den kommenden Tagen zu erwartende Hitzewelle könne sich negativ auswirken.

Getreideanbaufläche seit Jahren rückläufig

Mit Sorge bewertet Seedler die stetige Reduzierung der Anbaufläche: Vor zehn Jahren wurde in Deutschland auf 6,5 Millionen Hektar Getreide angebaut, heute sind es 400.000 Hektar weniger. Die durchschnittlichen Erntemengen sanken im gleichen Zeitraum um zirka vier Millionen Tonnen. Diese Entwicklung hat verschiedene Gründe. Zum einen ist die Anbaufläche von alternativen Kulturen wie zum Beispiel Leguminosen gestiegen. Außerdem werden immer mehr Flächen zugunsten ökologischer Maßnahmen aus der konventionellen Produktion genommen. Nicht zuletzt gehen jeden Tag 50 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche für den Bau von Straßen und Siedlungen verloren. «Wir müssen im Wohnungsbau auf Verdichtung setzen, statt laufend neue Baugebiete zu erschließen. Weiterhin müssen versiegelte Flächen, die nicht mehr benötigt werden, konsequent entsiegelt werden», fordert Seedler.

Fotovoltaik-Anlagen auf schwachen Standorten errichten

Dies müsse auch bei Neuinstallationen von Fotovoltaik-Anlagen für die Energiewende bedacht werden. Der DRV begrüßt, dass durch die jüngste Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes künftig auch Grünland mit Fotovoltaik bebaut werden darf. Positiv zu bewerten sei ebenfalls, dass aufgeständerte Anlagen stärker gefördert werden. Entscheidend werde sein, dass die Kommunen den Bau von Fotovoltaik-Anlagen möglichst nur auf Böden mit geringem Ertragspotenzial erlauben. «Wertvolle Ackerflächen müssen erhalten bleiben», betont Seedler (Foto: pixabay.com).

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