Dienstag, 18. Juni 2024

Deutschland: Inflationsrate im Juli 2023 bei 6,2 Prozent

Wiesbaden. (destatis) Die Inflationsrate in Deutschland − als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat – lag im Juli 2023 bei +6,2 Prozent. Im Juni 2023 hatte die Inflationsrate bei +6,4 Prozent gelegen. «Die Inflationsrate hat sich etwas abgeschwächt, bleibt aber weiterhin auf einem hohen Niveau», sagt Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamts, und ergänzt: «Besonders die Preisentwicklung von Nahrungsmitteln treibt die Inflation weiter an. Zudem erhöhten sich die Energiepreise wieder etwas stärker als in den beiden Vormonaten. Hier wirkt ein Basiseffekt durch den Wegfall der EEG-Umlage zum 01. Juli 2022.» Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, stiegen die Verbraucherpreise im Juli 2023 gegenüber dem Vormonat Juni 2023 um 0,3 Prozent.

Energieprodukte binnen Jahresfrist um 5,7 Prozent teurer

Die Preise für Energieprodukte lagen im Juli 2023 um 5,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats (nach +3,0 Prozent im Juni 2023 und +2,6 Prozent im Mai). Dabei war insbesondere die Preisentwicklung von Strom auffällig. Strom war im Juli 2023 um 17,6 Prozent teurer als im Juli 2022, im Juni 2023 hatte die Zunahme gegenüber dem Vorjahr noch 10,5 Prozent betragen. Der starke Anstieg ist im Wesentlichen auf den Wegfall der EEG-Umlage zum 1. Juli 2022 zurückzuführen. Der dämpfende Effekt auf die Inflationsrate entfiel mit dem Berichtsmonat Juli 2023. Weiter verteuerten sich von Juli 2022 bis Juli 2023 feste Brennstoffe mit +12,8 Prozent und Erdgas mit +8,5 Prozent besonders stark. Unterdurchschnittlich erhöhten sich die Preise für Fernwärme (+2,1 Prozent). Dagegen verbilligten sich Mineralölprodukte deutlich mit -7,8 Prozent, insbesondere leichtes Heizöl (-35,5 Prozent). Günstiger als vor einem Jahr waren trotz des Tankrabatts im Vorjahr auch die Kraftstoffe (-4,9 Prozent).

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Nahrungsmittel bleiben stärkster Preistreiber mit +11,0 Prozent

Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich im Juli 2023 um 11,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat (nach +13,7 Prozent im Juni 2023). Die Nahrungsmittel bleiben damit der stärkste Preistreiber unter den Güterbereichen. Fast alle Nahrungsmittelgruppen waren weiterhin teurer als ein Jahr zuvor. Vor allem mussten die Verbraucherinnen und Verbraucher spürbar mehr für Zucker, Marmelade, Honig und andere Süßwaren (+18,9 Prozent) bezahlen. Merklich teurer binnen Jahresfrist wurden auch Brot und Getreideerzeugnisse (+16,6 Prozent), Gemüse (+15,7 Prozent), sowie Fisch, Fischwaren und Meeresfrüchte (+14,1 Prozent). Hingegen waren Speisefette und Speiseöle um 12,9 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor.

Inflationsrate ohne Energie und Nahrungsmittel bei +5,5 Prozent

Im Juli 2023 lag die Inflationsrate ohne Energie bei +6,2 Prozent. Die Inflationsrate ohne Berücksichtigung von Energie und Nahrungsmitteln lag mit +5,5 Prozent niedriger und zeigt, wie stark die Nahrungsmittelpreise derzeit die Gesamtteuerung prägen. Diese häufig als Kerninflation bezeichnete Kenngröße verdeutlicht gleichzeitig, dass auch in anderen Güterbereichen die Teuerung weiterhin hoch ist. Im Juni 2023 hatte der Verbraucherpreisindex ohne Nahrungsmittel und Energie bei +5,8 Prozent leicht höher gelegen, sodass sich die Kerninflation im Juli 2023 leicht abgeschwächt hat.

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Waren verteuerten sich gegenüber Juli 2022 um 7,0 Prozent

Die Preise für Waren insgesamt erhöhten sich im Juli 2023 gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,0 Prozent. Verbrauchsgüter verteuerten sich mit +8,6 Prozent besonders stark, vor allem aufgrund des Preisanstiegs bei Nahrungsmitteln und alkoholfreien Getränken (+10,9 Prozent). Die Preise von Gebrauchsgütern lagen gegenüber Juli 2022 um 4,5 Prozent höher.

Dienstleistungen verteuerten sich binnen Jahresfrist um 5,2 Prozent

Die Preise für Dienstleistungen insgesamt lagen im Juli 2023 um 5,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Weiterhin bedeutsam für die unterdurchschnittliche Preissteigerung bei Dienstleistungen sind die Nettokaltmieten, die mit +2,1 Prozent preisdämpfend wirkten. Auch die Einführung des Deutschlandtickets wirkt seit Mai 2023 auf die Preisentwicklung leicht dämpfend. Demgegenüber steht jedoch ab Juni 2023 ein erhöhender Basiseffekt infolge des von Juni bis August 2022 gültigen 9-Euro-Tickets. Binnen Jahresfrist wurden somit im Juli 2023 Bahntickets im Nahverkehr trotz der Einführung des Deutschlandtickets mit +64,6 Prozent deutlich teurer (Juni 2023: +65,2 Prozent, Mai 2023: +0,6 Prozent). Ebenso verteuerten sich daher die kombinierten Tickets für Bahn, Bus und Ähnliches merklich gegenüber Juli 2022, und zwar auf mehr als das Doppelte mit +112,5 Prozent (Juni 2023: +112,8 Prozent, Mai 2023: -22,9 Prozent). Zudem erhöhten sich einige andere Preise für Dienstleistungen deutlich, unter anderem die Preise für die Instandhaltung und Reparatur von Wohnungen (+12,8 Prozent), für Services sozialer Einrichtungen (+11,6 Prozent) sowie für Dienstleistungen in Gaststätten (+7,7 Prozent).

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Preise gegenüber Vormonat um 0,3 Prozent gestiegen

Im Vergleich zum Juni 2023 stieg der Verbraucherpreisindex im Juli 2023 um 0,3 Prozent. Teurer wurden insbesondere Pauschalreisen (+11,2 Prozent) und die Personen- und Güterbeförderung (+5,0 Prozent). Die Preise für Nahrungsmittel gaben im Vergleich zum Vormonat etwas nach (-0,3 Prozent), insbesondere gingen die Preise für Fisch, Fischwaren und Meeresfrüchte (-2,2 Prozent) und Gemüse (-1,7 Prozent) zurück. Gleichermaßen sanken die Preise für Energie insgesamt (-0,1 Prozent). Etwas günstiger als einen Monat zuvor war Strom (-0,5 Prozent). Im Gegensatz zum Vorjahresvergleich wird die Teuerungsrate von Strom im Vormonatsvergleich nicht durch den Wegfall der EEG-Umlage seit Juli 2022 beeinträchtigt, da seit Juli 2022 keine EEG-Umlage mehr enthalten ist (Grafiken: Destatis – Foto: pixabay.com).


Ebenfalls eine gute Informationsquelle: das EZB Inflation Dashboard

Frankfurt. (ezb) In der Eurozone wird der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) zur Messung der Verbraucherpreisinflation verwendet. Darunter versteht man die zeitliche Veränderung der Preise für Konsumgüter und Dienstleistungen, die von den Haushalten im Euroraum gekauft werden. Er ist «harmonisiert», weil alle Länder der Europäischen Union die gleiche Methodik anwenden. Damit ist gewährleistet, dass die Daten eines Landes mit denen eines anderen verglichen werden können.

Der HVPI wird von Eurostat und den nationalen statistischen Ämtern nach harmonisierten statistischen Methoden erstellt. Den Bürgern im Euroraum gibt die vergleichende Statistik nach Lebensbereichen einen groben Überblick darüber, wie sie das aktuelle Geschehen in ihrem Kontext bewerten können. Das «EZB Inflation Dashboard» fasst die Kriterien auf einem Blick zusammen. Das Dashboard auf der Homepage der Europäischen Zentralbank (EZB) ist interaktiv und lässt sich individuell anpassen (Foto: Bildschirmfoto).