Sonntag, 20. Juni 2021

Covid-19: Auswirkungen auf Fracht- und Nahrungsmittelpreise

Halle / Saale. (iamo) Ein Jahr nach dem pandemiebedingten Einbruch der Weltwirtschaft sind die Folgeerscheinungen nicht ausgestanden. Vielmehr lassen sich nun starke Anstiege von Transportkosten im internationalen Seehandel und stetig steigende Nahrungsmittelpreise beobachten. Im IAMO Policy Brief 40 beleuchten der IAMO-Direktor Thomas Glauben und Wissenschaftler Maximilian Heigermoser den Hintergrund der aktuellen Entwicklungen im internationalen Seehandel mit Agrargütern. Um einer Nahrungsmittelkrise vorzubeugen, fordern die beiden Autoren ein Mehr an internationaler Kooperation und warnen ausdrücklich vor Rufen nach nationaler Selbstversorgung.

Während Volkswirtschaften in Nordamerika und Europa ab Herbst 2020 von einer zweiten Infektionswelle erfasst wurden, blieben Südostasien und speziell China von einem erneuten Anstieg von Infektionen weitgehend verschont. Der weitgehende Lockdown von Dienstleistungs-, Hotellerie- und Gastronomiesektoren in westlichen Volkswirtschaften hatte einen Anstieg der Nachfrage nach materiellen Konsumgütern zur Folge, der sich stark auf die Schifffahrtslogistik auswirkte und zu Höchstpreisen für Frachtcontainer führte. Parallel stiegen auch Frachtpreise für Massengutfrachter durch erhöhten Bedarf nach Baumaterialien, Industriemetallen und Agrargütern aus Asien und den USA auf ein Elfjahreshoch.

Gleichzeitig verzeichnet der von der FAO monatlich erhobene Food Price Index seit Mai 2020 einen kontinuierlichen Anstieg und hat heute ebenfalls ein Siebenjahreshoch erreicht. Besonders betroffen sind die Unterindizes, die Samen- und Pflanzenöle sowie Getreide abbilden. Der Grund hierfür sind anhaltend hohe Futtermittelimporte Chinas. Auch Sorgen um die Beschaffenheit der Maisernten in Südamerika und den USA, sowie erneut diskutierte Exportrestriktionen sind als treibende Faktoren zu nennen.

Die Weltbank geht für 2020 schon von einem historischen Anstieg globaler Armut aus. Verschiedene Entwicklungen, die sich auf Rohwaren- und Frachtmärkten beobachten lassen, bergen das Risiko, sich weiter negativ auf die Armutsbekämpfung sowie die globale Ernährungssicherheit auszuwirken. «Vor diesem Hintergrund muss einmal mehr die Notwendigkeit eines funktionierenden internationalen Handels unterstrichen, und vor Rufen nach regionaler Selbstversorgung oder Forderungen nach planwirtschaftlich anmutenden Systemänderungen im Nahrungsmittelsektor gewarnt werden», sagt Thomas Glauben.

Über die IAMO Policy Briefs

Mit den IAMO Policy Briefs bezieht das IAMO aufbauend auf die eigene Forschung zu wichtigen agrarpolitischen Fragen Stellung. In der Publikationsreihe werden verschiedene gesellschaftsrelevante Themen kurz und allgemeinverständlich dargestellt. Zur Zielgruppe zählen besonders Entscheidungsträger der Politik, Wirtschafts- und Medienvertreter sowie die interessierte Öffentlichkeit. Seit 2011 werden die IAMO Policy Briefs in sporadischer Folge veröffentlicht.

Über das IAMO Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien

Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) widmet sich der Analyse von wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungsprozessen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie in den ländlichen Räumen. Sein Untersuchungsgebiet erstreckt sich von der sich erweiternden EU über die Transformationsregionen Mittel-, Ost- und Südosteuropas bis nach Zentral- und Ostasien. Das IAMO leistet dabei einen Beitrag zum besseren Verständnis des institutionellen, strukturellen und technologischen Wandels. Darüber hinaus untersucht es die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Agrar- und Ernährungssektor sowie die Lebensumstände der ländlichen Bevölkerung. Für deren Bewältigung werden Strategien und Optionen für Unternehmen, Agrarmärkte und Politik abgeleitet und analysiert. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 gehört das IAMO als außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft an (Foto: pixabay.com).