Freitag, 4. Dezember 2020

Covid-19: Allgemeine Trends spiegeln sich in Süßwarenbranche

München. (sg) Wie ist es angesichts der Corona-Krise um die Zukunft der der deutschen Süßwarenbranche bestellt? Die aktuelle Corona-Studie des Münchener Beratungsunternehmens Dr. Wieselhuber + Partner (W+P) in Kooperation mit dem Internationalen Süßwarenhandelsverband Sweets Global Network (SG) zeigt, dass die Branche gespalten ist: Ein Teil kam bisher gut durch die Krise, ein anderer ist stark betroffen.

Bei der Online-Befragung gaben 160 Führungskräfte aus Industrie (96 Teilnehmende) und Handel (64 Teilnehmende) im Zeitraum von Juni bis Juli 2020 Auskunft über ihre Betroffenheit durch die Corona-Krise. Die Branchenexperten der Münchner Unternehmensberatung stellten die drei Perspektiven Markt + Kunde, Wertschöpfung + Supply Chain sowie Performance + Organisation in den Mittelpunkt ihrer Umfrage. Herausgekommen sind vier strategische Gruppen, die die Spaltung der Branche deutlich aufzeigen.

37 Hersteller und 18 Händler sind von der Krise negativ getroffen: Ein Drittel der befragten Unternehmen war vor Krisenbeginn auf der Erfolgsspur. Die Krise hat dann zu deutlich negativen Effekten geführt, die meisten haben im Auftragseingang deutlich verloren. Unter ihnen sind überproportional viele kleine Unternehmen. Knapp zwei Drittel geben eine Verschlechterung der Liquidität an. Zu Kurzarbeit und Entlassungen kam es jedoch nur bei 8 Prozent, viele setzten eher auf Reduktionen der Ausgaben und Investitionen.

Je 36 Hersteller und Händler erweisen sich als robust: 45 Prozent der Unternehmen sind trotz Krise weiterhin erfolgreich. Insbesondere große Lebensmittelhändler und Hersteller fallen in diese Gruppe. Die Krise hat tendenziell zu positiven Effekten geführt: Viele verzeichneten Zuwächse im Auftragseingang, und fast alle bewerten ihre Liquiditätssituation auch perspektivisch als gut. Reduktionen bei Ausgaben und Investitionen sowie Kurzarbeit und Entlassungen wurden wenig bis gar nicht genutzt. 15 Hersteller und 4 Händler sind gefährdet: 19 Unternehmen (12 Prozent) können als gefährdet bezeichnet werden. Unter ihnen sind überwiegend kleine Hersteller, die schon vor der Krise die eigene Situation bezüglich Gewinn und Eigenkapitalquote als sehr kritisch eingeschätzt haben. Die Krise hat jedoch nur teilweise zur Verschlechterung der Situation geführt, die Hälfte hatte keine Veränderungen im Auftragseingang. 8 Hersteller und 6 Händler sind schwerwiegend getroffen: Ihre Situation war vor Corona ebenfalls kritisch und hat sich durch die Krise noch verschlechtert. Auch hier sind es vor allem kleinere Unternehmen. Alle verzeichnen einen Rückgang im Auftragseingang, meist über 10 Prozent. Bei vielen hat sich die Liquiditätssituation verschlechtert, rund 70 Prozent mussten seit Krisenbeginn zusätzliche Liquidität aufnehmen. Auch die Ausgaben und Investitionen haben fast alle deutlich reduziert.

Strategischer Handlungsbedarf je nach Unternehmenssituation: Hans Strohmaier, Vorstandsvorsitzender von Sweets Global Network und Initiator der Studie, resümiert: «Der Lebensmittelhandel und zahlreiche Süßwarenhersteller profitieren davon, dass die Menschen mehr Zeit zuhause verbringen und dementsprechend mehr einkaufen. Für viele Anbieter im Außerhaus-Bereich und die kleineren Fachhändler gilt indes der gegenteilige Effekt, und auch das Exportgeschäft leidet.»

Aus der Studie heraus lässt sich auch der strategische Handlungsbedarf ableiten, so Dr. Johannes Berentzen, Leiter Konsumgüter + Handel bei W+P und Studienleiter: «Jetzt geht es je nach Betroffenheitsgrad und individueller Unternehmenssituation darum, die richtigen Prioritäten zu setzen: «Getroffene» und «Robuste» sollten die digitale Transformation forcieren und Wachstumschancen nutzen, während die «Gefährdeten» ihr Geschäftsmodell neu ausrichten müssen und bei den ernsthaft «Erkrankten» die Faktoren Redimensionierung und Sicherung der finanziellen Basis an erster Stelle stehen» (Foto: pixabay.com).