Samstag, 13. Juli 2024

COP28@home: Über das Catering zur Weltklimakonferenz

Berlin. (eb) Die Organisatoren der Weltklimakonferenz COP28 verpflichteten sich, wenigstens zu zwei Dritteln ein pflanzenbasiertes Catering anzubieten. Die Konferenz findet respektive fand bis zum 12. Dezember in den Vereinigten Arabischen Emiraten statt. Aus politischer Sicht sieht es von außen so aus, als würde die Konferenz, die unter anderem «eigentlich» auf das Ende fossiler Brennstoffe zielt, gerade von den Erdöl exportierenden Ländern gekapert und für ihre Zwecke «umgebaut».

Einige Länder können nicht

Das heißt nicht, dass nun alle klimapolitischen Ziele ad acta gelegt würden. Es spiegelt nur die Realpolitik wider, in der sich die Opec-Staaten nur ungern ins Geschäft reden lassen von den Besserwessis aus der westlichen Hemisphäre. Tatsache ist nämlich auch, dass – zum Beispiel – der Irak einerseits zusieht, wie die fruchtbaren Böden zwischen Euphrat und Tigris verdorren. Andererseits bohrt das gleiche Land immer noch nach Öl, weil der Irak aufgrund seiner Situation nicht anders handeln kann. Ein gordischer Knoten von vielen, bei denen bis heute nicht sicher ist, wie sie gelöst werden und wer die Mittel dafür bereitstellt.

Andere Länder wollen nicht

Andere Länder, wie zum Beispiel Russland, denken allein schon aus strategischen Gründen nicht daran, den Status quo aufzugeben. Lieber baut das Land neue Pipelines in Richtung Osten, als dass es Tundra und Taiga schützen wollte. Sobald sich das Polarmeer mit dem Klimawandel soweit erwärmt hat, dass die Nordostpassage freie Fahrt verspricht entlang der Nordküste Eurasiens, verspricht sich Russland eine wirtschaftliche Belebung entlang der Barentsee, Karasee und Ostsibirischen See. Soll heißen: Während Deutschland «eigentlich» dringend damit beginnen müsste, seine Bürger auf eine Zukunft einzustellen, die sich zur Hälfte auf schwimmenden Städten abspielen kann, hat Russland Landmasse in Überfluss und bekommt an seinen Küsten eher eine angenehme Seite des Klimawandels zu spüren. Mit ungefähr 17 Millionen Quadratkilometern ist die Russische Föderation der größte Staat der Welt und umfasst etwa ein Neuntel der kompletten Landmasse der Erde. So gesehen ist kaum damit zu rechnen, dass Russland im Klimawandel die gleiche Dringlichkeit erkennt wie zum Beispiel Südostasien, Afrika oder Europa.

So sieht Realpolitik aus

Das ist Realpolitik. Verständlich in diesem Zusammenhang die Rollen der Volksrepublik China und der Republik Indien. Ein Blick auf die Weltkarte genügt. So wichtig die Konferenz auch ist und Beschlüsse und Maßnahmen für die akut gefährdeten Regionen, ist es andererseits ratsam, sich nicht zu viel zu versprechen auf dem Weg zur Klimaneutralität. Auch Deutschland hat über viele Jahre nur diskutiert. Ein konsequenter Klima- und Umweltschutz, wie er angesichts der Situation adäquat wäre, ist bis heute nicht in Sicht.

Dafür war/ist wenigstens das Essen vegan

Konsequent soll hingegen die vegane Verpflegung in Dubai durchgesetzt worden sein: Wer zur COP28 nicht vor Ort war/ist, könne sich mit einigen Rezepten selbst einen Eindruck von der Verpflegung der globalen Entscheidungsträger verschaffen, schreibt begeistert ProVeg International. Die vor Ort vertretenen Caterer hätten im Lauf der Weltklimakonferenz gut 250.000 Mahlzeiten an mehr als 70.000 hungrige Delegierte ausgegeben. Einige der in Dubai servierten Gerichte fänden ihre Entsprechung in den Anleitungen aus der ProVeg-Rezeptdatenbank. Gerne verweist der Verband auf Kreationen wie etwa «Kräuterseitling-Filets in Curry-Kokos-Soße mit Ingwer», «Karottenkuchen mit veganem Frischkäse-Frosting» oder «Jackfruit-Burger mit Barbecuesoße». Frustessen ist nicht erlaubt (Foto: ProVeg – Theofano Vetouli).


Nachtrag: (13.12. / eb) Für die einen enthält der erzielte Kompromiss mehr Schatten als Licht. Die anderen sehen darin einen guten Kompromiss, auf dem sich aufbauen lässt. Zum Abschluss der Weltklimakonferenz COP28 ist es den Verhandlungsführern aus aller Welt gelungen, die Möglichkeit zu wahren, die im Pariser Abkommen eingegangene Verpflichtung zur Begrenzung des globalen durchschnittlichen Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau einzuhalten. Die Länder haben sich darauf geeinigt, die Abkehr von fossilen Brennstoffen in diesem Jahrzehnt zu beschleunigen und Maßnahmen zu ergreifen, um die Emissionen bis 2030 um 43 Prozent und bis 2050 auf Netto Null zu senken. Ein «Ideal» mag anders aussehen. Realistisch betrachtet können die Delegationen aber froh sein, sich trotz der angespannten Krisenlage auf einen Kompromiss geeinigt zu haben. Das ist vielleicht nicht das, was die Welt tun müsste. Doch sie fällt nicht zurück, und allein das ist schon ein Fortschritt. Das ist Realpolitik.