Freitag, 2. Dezember 2022

BVMW: Bund lässt Mittelstand bei Förderprogrammen im Stich

Berlin. (bvmw) Der Mittelstand steht vor gewaltigen Herausforderungen: Bei dem Balanceakt zwischen einer hohen Auslastung im operativen Tagesgeschäft, steigenden Anforderungen an Nachhaltigkeit und Bürokratie und den aktuellen Auswirkungen infolge der Pandemie und des Ukraine-Krieges auf der einen Seite sowie dem Transformationserfordernis auf der anderen Seite lässt die Politik die kleinen und mittleren Betriebe viel zu oft allein.

«Die Herkules-Aufgabe der Transformation im Mittelstand kann nur durch Ideenreichtum und Innovationen bei Produkten und Verfahren gelingen», erklärt Markus Jerger, Vorsitzender des Bundesverbands Der Mittelstand. BVMW. «Da die Entwicklung dieser Innovationen jedoch mit Unsicherheit behaftet ist, können mitteständische Unternehmen oft nur unter der Bedingung des Zugangs zu Fördermitteln Innovationen wirklich umsetzen.»

Angesichts des aktuellen Signales aus der Politik macht sich jedoch Ernüchterung in den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bereit. «Betrachtet man den Bundeshaushalt und speziell die Förderprogramme, so kommt der Mittelstand dort praktisch nicht vor», kritisiert Jerger. «Dabei könnte der Mittelstand mit seiner Dynamik und Diversifizierung einen entscheidenden Beitrag zur Erhöhung der Resilienz der deutschen Wirtschaft leisten.»

Viele seit Jahren gut funktionierende Förderprogramme wie zum Beispiel das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand ZIM seien ohne Vorwarnung gestoppt oder plötzlich nicht mit ausreichend Budget hinterlegt, so Jerger weiter. «Dadurch werden zum Teil seit Jahren laufende Innovationsnetzwerke oder Antragsprozesse abrupt gestoppt – so wird bei den Unternehmerinnen und Unternehmern viel Vertrauen verspielt.»

Matthias Brucke, Vorsitzender des BVMW-Expertenkreises Förderprogramme, ergänzt: «Es werden große Programme aufgelegt, die den Mittelstand zwar formal einbeziehen sollen, durch die kurzen Antragsfristen und hohen bürokratischen Hürden entsteht allerdings der Eindruck, dass eine echte Beteiligung von KMU nicht gewollt ist.» Auch die als neues Instrument angepriesene Forschungszulage helfe eher Großunternehmen und nicht innovativen KMU. Brucke: «Generell muss das deutsche Innovationssystem stärker auf den Markt ausgerichtet werden. Wir müssen neben der Grundlagenforschung speziell die Entwicklung markttauglicher Innovationen finanzieren, die Arbeitsplätze schaffen und über Steuern einen Beitrag für unseren Wohlstand leisten.»

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