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BVE: Ist der Zug-um-Zug Palettentausch überholt?

Berlin. (bve) Probleme und Lösungsansätze beim Palettentausch standen im Mittelpunkt der Sitzung des Logistikarbeitskreises «BVE-LOG» der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie Ende März bei der Apetito AG in Rheine. Logistikleiter aus der Industrie sowie Vertreter der Fachverbände nutzten die Möglichkeit zur Diskussion.

Zu den Problemen im Palettentausch zählen neben einer zunehmenden Diebstahlrate auch die ansteigenden Kosten sowie eine Abnahme der Qualität der Tauschpaletten. Vor allem für die Ernährungsindustrie, die für den Transport ihrer qualitativ hochwertigen Produkte einwandfreie Paletten benötigt, stellt diese Entwicklung ein immer größer werdendes Problem dar. Auch die zusätzliche Kostenbelastung spielt in vielen Unternehmen keine unerhebliche Rolle.

Diese aktuelle Problemlage bestätigt auch die von GS1 durchgeführte Studie «Analyse Zug-um-Zug Palettentausch». Die hatte Thomas Fuchs von GS1 Germany den Teilnehmern in Rheine detailliert vorgestellt. Es wurde deutlich, dass der Ernährungsindustrie im aktuellen Tauschsystem Kosten zwischen drei und vier Euro je Palettendurchlauf entstehen. Diese sind primär auf Reparaturen defekter Paletten, Aufwendungen zur Administration und Kontrolle der Palettengüte an den Rampen zurückzuführen. Nicht unerheblich sind in vielen Unternehmen auch der Zeitverlust und der personelle Mehraufwand, wenn bereits leicht beschädigte Paletten nicht in den automatisierten Hochregallagern eingesetzt werden können.

Auch bei den Speditionsunternehmen stoßen die steigenden Kosten im Palettentauschverfahren auf immer größeren Unmut. In seinem Gastvortrag zeigte Hubert Valder vom Deutscher Speditions- und Logistikverband den Teilnehmern auf, dass den Speditionsunternehmen je Umlauf einer Tauschpalette bis zu drei Euro Kosten entstehen können. Dies geht aus der vom Deutschen Speditions- und Logistikverband in Auftrag gegebenen Studie «Empirische Kostenanalyse des Tauschverfahrens im Europalettenpool» hervor. Somit belaufen sich die Gesamtkosten je Umlauf einer Tauschpalette auf etwa sieben bis acht Euro. Daran ist der Handel bislang weitgehend unbeteiligt.

Zu den im Arbeitskreis diskutierten Lösungsansätzen zählten unter anderem der Verkauf der Paletten, die Einführung einer Paletten-Tauschgebühr, als auch die Abwicklung des Palettentauschs über einen Palettenanbieter. Zudem wurde die Möglichkeit einer Einweglösung erörtert, da heute eine neue Palette oft zu günstigeren Preisen angeboten wird als die Summe der entstehenden Gesamtkosten für einen einzigen Durchlauf einer Mehrwegpalette.

Eine schnelle Lösung des Palettentauschproblems ist nicht in Sicht, denn auch innerhalb der Ernährungsindustrie werden unterschiedliche Verfahren eingesetzt, so dass man sich bislang nicht auf einen einzigen Lösungsansatz einigen konnte. Als Fazit der Arbeitskreissitzung bleibt fest zu halten, dass für alle Beteiligten der Zug-um-Zug Palettentausch als nicht überholt eingestuft wird und ein «fairer Tausch» sicherlich die einfachste Lösung darstellen würde, um das Qualitätsproblem zu beheben. Ein faires Tauschverfahren ist im Moment jedoch nicht immer gegeben, sondern wie aus der GS1 Studie abschließend hervorgeht, vielmehr Personen- und Standortabhängig. Daher wird die Ernährungsindustrie, gemeinsam mit dem Deutschen Speditions- und Logistikverband und Handelspartnern, weiterhin an einer gemeinsamen Lösungsfindung arbeiten.

Info: Der von der BVE organisierte Arbeitskreis BVE-LOG bringt in einem regelmäßigen Turnus Logistikleiter aus der Industrie und Verbandsexperten zusammen. Er bietet den Mitgliedern die Chance, sich zu aktuellen Themen aus der Lebensmittellogistik auszutauschen. Zusätzliche Betriebsbesichtigungen bieten die Möglichkeit exklusive Einblicke in die Betriebsabläufe zu erhalten. Die BVE stellt Ihren Mitgliedern so eine einzigartige Plattform zur Verfügung, um sich innerhalb der Branche auszutauschen und gemeinsame Lösungsansätze zu erarbeiten.