Montag, 24. Juni 2024

BVE: Exportklima erreicht noch nicht das Vorkrisenniveau

Berlin. (bve) Nach Jahren, die von Krisen und Unsicherheiten überschattet und von einer gedämpften Stimmung geprägt waren, bewertet die exportorientierte deutsche Ernährungsindustrie 2024 das Exportklima, das sich aus Geschäftslage und Erwartungen zusammensetzt, positiver als in den Jahren zuvor. Dies ergab eine Umfrage der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) anlässlich des Außenwirtschaftsseminars der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Trotz anhaltender geopolitischer Krisen und Herausforderungen im Exportgeschäft, die die Bedingungen auf den Weltmärkten verändert haben, hat sich die aktuelle Geschäftslage leicht verbessert. Sie erreicht nun das Niveau von 2022, liegt jedoch immer noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau von 2019. Die Geschäftserwartungen der Experten in der deutschen Ernährungsindustrie sind indes deutlich gestiegen und nähern sich dem Vorkrisenniveau von 2019 an. Somit hat sich das Exportklima weiter erholt. Insgesamt bestätigen die Umfrageergebnisse 2024 den positiv steigenden Trend des letzten Jahres.

Die Wettbewerbsfähigkeit lässt nach

Das Wahljahr 2024 in Europa und den USA steht im Mittelpunkt der diesjährigen Umfrage. Der Ausgang der Wahlen könnte potenzielle Auswirkungen auf die Exportmärkte der deutschen Ernährungsindustrie haben. Neue politische Rahmenbedingungen könnten die internationalen Beziehungen beeinflussen, etwa durch Handelsabkommen oder neue Regulierungen. Nach dem Status Quo befragt, erkennen nur 6 Prozent der befragten Experten Verbesserungen beim Abbau von verbleibenden Handelshemmnissen innerhalb der EU, während 30 Prozent eine Verschlechterung seit den Wahlen 2019 feststellen. Ebenso sehen nur 4 Prozent eine Verbesserung in der Komplexität der Handelsabkommen. Darüber hinaus wird die Entwicklung in Schlüsselbereichen wie Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Nicht-EU-Ländern, regulatorischen Hürden und bürokratischem Aufwand überwiegend negativ bewertet. Insbesondere der Zugang zu Fremdkapitalmärkten zeigt kaum Fortschritte. So konnte die Mehrheit der Experten keine Veränderung in den letzten fünf Jahren verzeichnen. Die größte Herausforderung bleibt der bürokratische Aufwand. 60 Prozent der Befragten berichten in dem Bereich von einer Verschlechterung. Chancen in Europa sehen die Experten im Zuge der Europawahl vor allem im Abbau von Handelshemmnissen innerhalb der Europäischen Union (28 Prozent), in der Förderung von Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik (32 Prozent) sowie in der Digitalisierung (34 Prozent). Insgesamt wird aber in allen Themenbereichen keine spürbare Verbesserung seit der Wahl 2019 gesehen. Am besten schneiden noch die Bereiche Digitalisierung (19 Prozent) und Umweltpolitik/Nachhaltigkeit (21 Prozent) ab.

Handelshemmnissen und Bürokratie belasten sehr

«Die deutsche Ernährungsindustrie profitiert von einem starken Binnenmarkt, sieht sich aber mit zunehmenden Handelshemmnissen und bürokratischen Belastungen innerhalb der EU konfrontiert», erklärt Stefanie Sabet, Geschäftsführerin der BVE. «In der neuen Legislaturperiode der EU müssen politische Entscheidungen daher gezielt diese Herausforderungen angehen und praktikable Lösungen vorantreiben, um den Binnenmarkt weiter zu stärken und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Branche auf internationaler Ebene zu sichern. Die EU-Handelspolitik muss den grenzüberschreitenden Warenverkehr erleichtern. Es ist essenziell, dass sowohl die neue EU-Kommission als auch das EU-Parlament spezifische Verantwortlichkeiten für die gesamte Lebensmittelkette übernehmen, die über den landwirtschaftlichen Sektor hinausgehen.»

Die Marktentwicklung hängt auch von den US-Wahlen ab

Auch die Wahlen in den USA können Einfluss auf die Exportmärkte der deutschen Ernährungsindustrie haben. Ein Wahlsieg der Demokraten und damit die Wiederwahl von Joe Biden würde für eine gemäßigte, auf Dialog und Kooperation setzende Handelspolitik sprechen, die die Stabilität der deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen potenziell fördern könnte. Im Gegensatz dazu könnte ein Sieg der Republikaner, insbesondere eine mögliche Rückkehr Donald Trumps ins Amt, das Risiko von Handelsbarrieren für die deutsche Ernährungsindustrie signifikant erhöhen, lautet die Einschätzung innerhalb der Umfrage.

Den Herausforderungen unserer Zeit gerecht werden

«Die Wahlen in Europa und den USA werden zeigen, welche politische Richtung in der Handelspolitik eingeschlagen wird. Der Export der deutschen Lebensmittelwirtschaft ist ein wichtiges Standbein und für diese unverzichtbar. In Zeiten anhaltender und immer neuer Krisen wird Planungssicherheit dabei immer schwieriger. Um dem zu begegnen, werden nachhaltige und resiliente Lieferketten immer wichtiger, die immer wieder geprüft und angepasst werden müssen, um den Herausforderungen unserer Zeit gerecht zu werden», erklärt Anselm Elles, Geschäftsführer von AFC Management Consulting.