Sonntag, 19. September 2021
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Brotforum 2021: Den Wandel mutig gestalten

Weinheim. (adb) Beim fünften Weinheimer Brotforum diskutierten 135 Fachleute aus der Brotbranche aktuelle Marktveränderungen und Chancen, mit Blick in die Zukunft. Der bunte Themenmix der Hybrid-Veranstaltung traf mit spannenden Vorträgen und dem Austausch diverser Philosophien den Nerv der Zeit.

Zum fünften Mal diskutierte das Brothandwerk an der Bundesakademie des Deutschen Bäckerhandwerks (ADB) in Weinheim, darunter zahlreiche namhafte Brotbäcker aus allen Ecken Deutschlands. Aufgrund der Corona-Bestimmungen wurde ein Teil der Gäste «hybrid» online zugeschaltet. Die Präsenz-Gäste in Weinheim trafen sich bereits am Vorabend zum Netzwerken bei Brot und Wein.

Beim Forum selbst begrüßte der Moderator Prof. Michael Kleinert aus Luzern die Gäste und hob den Austausch unterschiedlicher Meinungen hervor. Direktor Bernd Kütscher zeigte im Anschluss Veränderungen des Brotmarkts, unter anderem die Tatsache, dass Bäckereien in den ersten vier Monaten 2021 Marktanteile an den Lebensmittel- Einzelhandel angeben mussten. Umso mehr konnten sie nach Darstellung Kütschers bei den Kleingebäcken punkten. Er stellte fest, dass jene Betriebe, die intensiv an ihrer Brotqualität arbeiten, überproportional erfolgreich sind und beste Zukunftsaussichten haben.

Prof. Bastian Halecker aus Berlin thematisierte in der Keynote «Dino trifft Einhorn» die von ihm eng begleitete Startup-Szene und was etablierte Bäckereien hiervon lernen können. Seine Impulse von außen begeisterten die Gäste. Anschließend überzeugte Volker Schmidt-Sköries von der Kaiser Biobäckerei mit Wegen, wie in seinem Unternehmen beseeltes Arbeiten und nachhaltiges Wirtschaften in Einklang gebracht werden. Unternehmensberater Dirk-Siegfried Hübner, der an der Ahr lebt und die Folgen des Klimawandels direkt erlebte, präsentierte danach viele Ansätze zum Thema Energie und Nachhaltigkeit. Sein Appell: «Bislang konnten wir etwas gegen den Klimawandel tun. Jetzt müssen wir alle etwas tun.»

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Ein weiterer Vortragsblock trug die Überschrift «Erfahrungen» und wurde durch Jochen Gaues («Der echte Gaues», Hamburg) eröffnet, der viele Sterneköche und den Bundespräsidenten mit Brot beliefert. Er sprach offen über seine Niederlagen, unter anderem mehrere Insolvenzen, aber auch über seine Philosophie für «richtig geiles» Brot. Sebastian Däuwel von den Brotpuristen in Speyer erläuterte danach seinen besonderen Weg vom Quereinsteiger zum großen Markterfolg mit Brot. Er appellierte, den Kunden gegenüber ehrlich zu sein und unterbreitete konkrete Vorschläge für mehr Transparenz. Hans-Günther Mack (Handwerksbäckerei Mack GmbH + Co KG) schilderte ebenfalls seine Erfahrungen, unter anderem mit der Belieferung von Aldi Süd. Die Brote der Referenten konnten in der Pause verkostet werden.

Das Brotforum mündete in eine sehr lebhafte Diskussion der Vortragenden, ergänzt um Markus Hombach von der Firma Ireks in Kulmbach. Hierbei wurden viele Facetten des Marktes offen hinterfragt. Sowohl die Präsenz-Teilnehmer in Weinheim als auch die Online-Teilnehmer warfen dazu spannende Aspekte ein und am Ende waren sich alle einig: Sehr gutes Brot aus regionaler, handwerklicher Herstellung hat noch viel Potenzial, sofern dessen Erzeugen den Wandel der Verbrauchererwartungen und die Herausforderungen unserer Zeit mutig gestalten (Fotos: ADB Weinheim – Ingo Hilger).