Donnerstag, 1. Oktober 2020
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Brotforum 2020: volles Haus und angeregte Diskussionen

Weinheim. (adb) Bereits zum vierten Mal kamen an der Bundesakademie Weinheim (ADB) rund 150 leidenschaftliche Brotbäcker/innen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zusammen, um über die Entwicklungen des Brotmarkts und die Zukunft des Brotes zu diskutieren. Die Veranstaltung begann traditionell mit einem Vorabendtreff bei Brot + Wein. Für anregenden Zündstoff beim Brotforum selbst sorgte die Riege der Referenten. Nach dem Opening durch Direktor Bernd Kütscher, der aktuelle Marktzahlen präsentierte, verdeutlichte Dr. Gerhard Bosselmann von der Landbäckerei Bosselmann (Hannover) in deutlichen Worten die Herausforderungen, vor denen die Branche steht. Seine Botschaft: Die Luft wird dünner und wer als Bäckerei einen «Gemischtwarenladen» ohne Profil bleibt, für den wird es in Zukunft sehr schwer. In seinen Ausführungen ging der Referent auf die verschiedenen Betriebstypen ein und gab individuelle Empfehlungen. Anschließend wurde lebhaft diskutiert.

Im zweiten Block der ausgebuchten Veranstaltung begrüßte Moderator Prof. Michael Kleinert (Wädenswil, Schweiz) den Mediziner Dr. Björn Hollensteiner (Haltern am See), der als Arzt praktiziert, sich aber auch in der Hobbybäcker-Szene als «der Brotdoc» einen guten Namen gemacht hat. Er stellte die riesige Community leidenschaftlicher «Bread Heads» im Netz vor und lud die Profis ein, sich dort einzubringen und damit zu zeigen, dass man sein Handwerk noch richtig beherrsche. Jene, die in den verschiedenen Online-Foren bereits aktiv seien, wären sehr willkommen und auch deren Bäckereien profitierten hiervon. Dipl. Ing. Thomas Lepold (Oberursel) zeigte die überzeugenden Einsatzmöglichkeiten von Leguminosen wie zum Beispiel Ackerbohnen bei der Brotherstellung, bevor Karl de Smedt (St. Vith, Belgien) den Tagungsgästen mit seiner sympathischen Art die Welt der Sauerteige und seine Sauerteig-Bibliothek vorstellte.

Der dritte Teil bestand aus einer Talkrunde mit der Frage: «Ist die Zukunft des Brotes weiblich?». Die Runde eröffnete Christa Lutum (Berlin), die in der Lebensmitte ihre Anteile an einer erfolgreichen Filialbäckerei verkauft hat und mit einer kleinen Bio-Bäckerei nochmals neu durchgestartet ist. Sie stellte unter anderem das unterschiedliche Kaufverhalten von Männern und Frauen dar. Marie Simon (Löhne), Juniorchefin einer Familienbäckerei und auch als Miss Handwerk und als Fernsehbäckerei bekannt, brachte sich charmant in die Diskussionen mit dem Publikum ein. Hinzu kam Schauspielerin Ava Celik (Berlin), die aus gesundheitlichen Gründen angefangen hat, ihr eigenes Brot zu backen und mit «Aera Bread» inzwischen eine vielbeachtete glutenfreie Bäckerei betreibt. Ergänzt wurde die Talkrunde um Sophie Hinkel (Düsseldorf), welche die bekannte Bäckerei ihres beim Brotforum anwesenden Vaters Josef Hinkel weiterführen möchte. In der nachfolgenden Kommunikationspause konnten die Tagungsgäste auch das qualitativ sehr überzeugende Brot der Referentinnen testen.

Zum Abschluss des 4. Weinheimer Brotforums stellte Prof. Michael Kleinert gemeinsam mit Jochen Baier (Herrenberg) als UIBC Weltbäcker des Jahres 2018 die Umsetzung der Themen Qualität, Transparenz, Kommunikation und Nachhaltigkeit in der Bäckerei Baier vor, was sehr gut ankam. Bernd Kütscher bedankte sich bei allen Referenten, den Tagungsgästen und bei seinem Team für die enorme Leistung im Hintergrund. Erneut stellte sich heraus: Das Kulturgut Brot hat noch Marktpotenzial und einen größeren Stellenwert in Ernährung und Gesellschaft verdient.

Das 5. Weinheimer Brotforum wird am Dienstag. den 02. März 2021 stattfinden (Fotos: ADB – Ingo Hilger).