Samstag, 1. Oktober 2022

BKV Nord: fordert klare Priorisierung bei Gasknappheit

Rellingen. (bkv) Die Bäcker- und Konditorenvereinigung Nord (BKV) als Dachorganisation der Bäckerinnungsverbände für Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Bremen fordert, dass das neue Energie-KostenDämpfungsProgramm (EKDP) der Bundesregierung so ergänzt wird, dass auch Handwerksbäckereien Zuschüsse zu den stark gestiegenen Energiekosten erhalten. Wichtig ist auch, dass die Politik endlich Planungssicherheit für den Fall einer Gasknappheit schafft.

«Die Betriebe des Bäckerhandwerks sind seit Monaten einer dramatischen Kostensteigerung im Bereich der Energie-, Rohstoff- und Personalkosten ausgesetzt. Preiserhöhungen können mittlerweile kaum mehr an die Kunden weitergeben werden. Wenn diese Entwicklung, wie es derzeit aussieht, anhält oder sich weiter verschärft, sind flächendeckend eine Vielzahl der Betriebe und Arbeitsplätze in Gefahr,» schildert BKV-Vorsitzende und Landesinnungsmeisterin für SH Maren Andresen die aktuelle Situation. In Schleswig-Holstein werden in den über 220 produzierenden Betrieben mit mehr als 10.000 Beschäftigten jährlich mehr als eine halbe Milliarde Umsatz erwirtschaftet.

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Täglich werden in den Handwerksbäckereien in Schleswig-Holstein allein über 160.000 Brote und zwei Millionen Brötchen produziert (siehe Grafiken). Im Krisenfall kann die Brotproduktion auf über 830.000 Stück pro Tag gesteigert werden. «Dieses Grundnahrungsmittel steht über die mehr als 1.800 Verkaufsstellen wohnortnah, ohne energieintensive Logistikketten zur Verfügung,» sagt Jan Loleit, Geschäftsführer des Landesinnungsverbands. Er erwartet, dass von der Bundesregierung bereitgestellte Hilfen für energieintensive Unternehmen nicht nur der Industrie, sondern fair, gerecht und solidarisch gewährt würden – also auch energieintensiven, systemrelevanten Branchen wie dem Bäckerhandwerk. Das neue EnergieKostenDämpfungs-Programm (EKDP), mit dem Belastungen durch starke Verbräuche an Erdgas und Strom für Wirtschaftsbetriebe gedämpft werden sollen, erfülle diesen Anspruch nicht.

«Es kann nicht angehen, dass die energieintensiven Handwerksbäckereien keine Zuschüsse aus dem Programm beantragen können mit der Begründung, dass ihre Produkte nicht «international vertrieben» werden und daher nicht über eine «ausreichende Handelsintensität» verfügen, wie aus dem Bundeswirtschaftsministerium mitgeteilt wurde. Die Herstellung von zum Beispiel Wermutwein oder Tapeten sind aber nach dem EKDP förderfähig. Das versteht kein Mensch,» sagt Maren Andresen.

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«Die nebulösen Aussagen der Politik zu einem Gasnotfallplan sind ebenfalls untragbar,» blickt Andresen sorgenvoll Richtung Winter. «Unsere Betriebe brauchen Planungssicherheit, ob sie in einer Priorisierungsliste aufgenommen sind oder ob auch dort nur die Industrie Berücksichtigung findet.» 56 Prozent der Backfläche in Schleswig-Holstein sind gasbetrieben, 21 Prozent laufen mit Strom. Dabei haben 70 Prozent der Betriebe Gasöfen im Einsatz (siehe Grafiken). «Ohne Aufnahme in den Gasnotfallplan drohen Betriebsschließungen. Im Ernstfall stehen über 10.000 Menschen auf der Straße. Will die Politik das verantworten?»

Landesinnungsmeisterin Andresen: «Systemrelevante Branchen wie das Bäckerhandwerk, die Lebensmittel produzieren, müssen im Fall von Gasknappheit weiter mit Gas beliefert werden. Diesen klaren Anspruch haben wir an die Politik und wir erwarten hierzu ein klares Bekenntnis.»

Die angekündigte Gasumlage verschärft die Kostensituation noch zusätzlich. «Bei Umlagen von 1,5 bis 5 Cent zusätzlich pro Kilowattstunde, wie sie in der Diskussion sind, sind das schnell mehrere Tausend Euro, die ein Betrieb monatlich zusätzlich zu schultern hat. Diese Kosten können nicht durch einen gesteigerten Verkauf von Backwaren aufgefangen werden,» ergänzt Verbandsgeschäftsführer Jan Loleit. Auch hier sei endlich Klarheit vonnöten (Grafiken: BKV Nord – Foto: pixabay.com).

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