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Beumer + Lutum: über Handwerk im Aufbruch in Berlin

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Berlin. (bul) Die Bio-Bäckerei Beumer + Lutum war im November Gastgeber der Veranstaltung «Handwerk im Aufbruch – Perspektiven eröffnen». Zu Gast waren auch die Senatorin für Arbeit, Elke Breitenbach, der Vizepräsident der Handwerkskammer Berlin, Karsten Berlin sowie Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel. Bei einer Podiumsdiskussion war auch Thorsten Teske dabei, Personalleiter der Berliner Bio-Bäckerei. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Wirtschaftsförderung des Bezirksamts Neukölln und der GesBIT, Gesellschaft für Bildung und Teilhabe mbH. Neukölln sei ein ganz besonderer Standort, sagte Bürgermeister Hikel. Hier würde nicht nur deutschlandweit das meiste Marzipan hergestellt, sondern es gäbe auch noch weitere «Hidden Champions» wie Beumer + Lutum.

Akademisierung Gift für das Handwerk

Eines eint die handwerklichen Betriebe: es mangelt an Nachwuchs und an Fachkräften. «Die Betriebe würden gerne mehr Aufträge annehmen, doch es fehlt das Personal», unterstrich auch Karsten Berlin, Vizepräsident der Handwerkskammer. Die Akademisierung sei Gift für das Handwerk, jahrelang wäre das Credo gewesen, nur mit Studium habe man beruflichen Erfolg. Dies träfe aber nicht zu. Auch im Handwerk könne man Erfolg haben. Die Vielfalt der einzelnen 130 Handwerksberufe und die interessanten Karrieremöglichkeiten sei jungen Leuten gar nicht bekannt. Die Handwerkskammer versucht, das schlechte Image mit einer Kampagne seit 2010 zu verbessern. Wichtig sei aber auch, dass sich die Betriebe in die Pflicht nehmen, fair mit ihren Azubis umzugehen.

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Kollegialer Umgang und Familienfreundlichkeit wichtig

Ein gutes Klima sei das A + O, betonte Berlin, neben kollegialem Umgang auch Perspektiven schaffen, gute Sozialleistungen bieten, Tarifbindung, aber auch familienfreundliche Modelle. Auch Geflüchteten soll man eine Chance geben.

Senatorin plädiert für mehr Praktikumsplätze

Elke Breitenbach, die Berliner Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales rief dazu auf, für mehr Praktikumsplätze zu sorgen. Diese seien nicht ausreichend vorhanden. Es sei die einzige Möglichkeit, sich als Schüler zu orientieren, was ihnen liegt. «Fachkräfte werden Sie nur kriegen, wenn Sie auch ausbilden», sagte Breitenbach mit Nachdruck. Dabei soll man auch denjenigen eine Chance geben, die keine Einser- oder Zweier-Schüler sind. Diese könnten auch ohne Bestnoten ihre Ausbildung mit Leidenschaft absolvieren. «Die Azubis sind die Zukunft der Gesellschaft», sagte die Senatorin. Sie warb für die duale Ausbildung, denn nicht jede und jeder müsse studieren. Zudem erinnerte sie an das alte Sprichwort «Handwerk hat goldenen Boden».

Beumer + Lutum: Mit Bäckerei-Führungen zum Erfolg

Die Bio-Bäckerei beschäftigt derzeit 23 Azubis und konnte seine Quote vom Frühjahr 2019 von 17 Lehrlingen wieder steigern. Ein Erfolg für die Einstellung von Mitarbeitern sind auch Betriebsführungen mit anschließenden Informationsveranstaltungen, berichtet Personalleiter Thorsten Teske. Nach einer solchen hatten sich zehn Leute beworben, teils für den Verkauf, teils für eine Ausbildung.

Nach ersten Probearbeiten konnten zwei als Verkäufer eingestellt werden, vier wurden in eine Ausbildung zum Verkäufer übernommen und einer in eine Ausbildung zum Bäcker.

Insgesamt zählt Beumer + Lutum gut 150 Beschäftigte. In 2019 erhielt das Unternehmen eine Auszeichnung als vorbildlicher Ausbildungsbetrieb von der Bundesagentur für Arbeit Berlin Mitte. Mit der Verleihung des offiziellen Zertifikates für Nachwuchsförderung 2019 wurde das inhabergeführte Unternehmen für sein hervorragendes Engagement in der Ausbildung gekürt (Bild und Text: Beumer + Lutum – TitelFoto pixabay.com).