Donnerstag, 22. Februar 2024
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Befreiungsschlag: Aryzta AG kündigt Kapitalerhöhung an

Zürich / CH. (eb) Die schweizerisch-irische Aryzta AG kündigt eine Kapitalerhöhung von bis zu 800 Millionen Euro an. Damit will der Konzern seine hohen Schulden reduzieren. Die Aktionäre reagieren kaum begeistert. Die Gewinn-verwässernde Maßnahme wäre vor einem Jahr noch mit Wohlwollen aufgenommen worden, wissen Finanzfachleute. Die Attraktivität von Tiefkühlbackwaren habe bis heute aber deutlich nachgelassen. Der Schaden für die Aktionäre werde also «maximal groß». Oder anders herum: Nach einem rekordverdächtigen Gewinneinbruch und Kursverlust ist die Börsenkapitalisierung des Konzerns auf rund 750 Millionen Schweizer Franken gesunken (660 Millionen Euro) und liegt damit unter dem geplanten Betrag der Kapitalerhöhung – sagen Analysten. Um diesen zu erreichen, werde Aryzta nun viel mehr neue Aktien ausgeben müssen, als dies vor Jahresfrist nötig gewesen wäre.

Finanzfachleute sind sich einig: 800 Millionen Euro sind ein ehrgeiziges Ziel, doch das realistische Ergebnis dürfte sich eher bei 500 bis 600 Millionen Euro einpendeln. Der einst stolze Konzern habe sich zum Ziel von Spekulanten gemacht. Wobei man im Auge behalten muss, dass es das alte Management um CEO Owen Killian war, das den Konzern in Bedrängnis brachte.

Das neue Management um CEO Kevin Toland hatte einen denkbar schlechten Start. Dafür gilt es als Krisen-erprobt und erfahren. Es weiß auch, wie man Signale richtig setzt. In seiner Mitteilung zur Kapitalerhöhung bestätigt Aryzta zum Beispiel, dass die Geschäftstätigkeit im vierten Quartal des Wirtschaftsjahrs 2018 durchaus den Erwartungen entsprochen habe. Die Großbäcker erwarten demnach ein Ebitda von 296 bis 304 Millionen Euro, was der Prognose von Ende Mai entspreche. Darüber hinaus bestätigt der Konzern, dass er seine finanziellen Verpflichtungen im Geschäftsjahr 2018 eingehalten habe. Was er den Wirtschaftsjournalisten nicht auf die Nase bindet, worüber Finanzfachleute aber freimütig diskutieren: Um dieses Etappenziel zu erreichen, hat er sich von Picard zweimal eine Sonderdividende auszahlen lassen. Zur Erinnerung: Aryzta hält am Tiefkühlspezialisten 49 Prozent, die er allerdings seit längerem auch schon wieder verkaufen will. Mit anderen Worten: Aryzta greift derzeit zu jedem Strohhalm, ob nachhaltig oder nicht, um die Märkte zu beruhigen (Foto: pixabay.com).

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