Mittwoch, 3. März 2021

BDSI: Süßwarenindustrie blickt auf schwieriges Jahr 2020 zurück

Bonn. (bdsi) Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) blickt für die Branche mit ihren genussbringenden Produkten im Jahr 2020 auf eine weitgehend stabile Entwicklung bei Absatz und Umsatz zurück. Die Produktionsmenge lag auf Vorjahresniveau (0,0 Prozent), der Umsatz sank jedoch um -0,5 Prozent. Die statistische Datenlage verstellt allerdings den Blick auf die wirtschaftlich deutlich angespannte Situation in der Branche, die zudem sehr vielschichtig und differenziert von der Pandemie getroffen wurde. So stellen die in der andauernden Covid-19-Pandemie erheblich gestiegenen Kosten in den Unternehmen und Unsicherheiten im wichtigen Exportgeschäft die über 200 industriellen Hersteller deutscher Süßwaren und Knabberartikel vor enorme Herausforderungen. Erstmalig seit Jahren entwickelte sich die Anzahl der Beschäftigten negativ und sank um -1,6 Prozent.

Covid-19-Pandemie belastet die Unternehmen

Die gesamte Wirtschaft Deutschlands wurde 2020 stark von der Corona-Pandemie getroffen. Auch die Geschäftslage der mittelständisch geprägten deutschen Süßwarenindustrie insgesamt hat sich aufgrund der Covid-19-Pandemie gegenüber der Vor-Coronavirus-Zeit verschlechtert. Dies bestätigt auch die aktuelle Konjunkturumfrage des BDSI bei seinen Mitgliedern (Januar 2021). 65 Prozent der Unternehmen beurteilten die Geschäftslage zu Jahresbeginn 2021 schlechter als vor einem Jahr. Zwar stieg der Süßwarenabsatz im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel, doch können diese Zuwächse die Einbrüche im Export und in wichtigen Vertriebskanälen wie Travel Retail oder Volksfesten und Weihnachtsmärkten nicht ausgleichen. Auch fehlten durch die lang anhaltenden Kontaktbeschränkungen für die Süßwarenbranche wichtige Geschenkanlässe.

Die Süßwarenhersteller haben während der gesamten Corona-Pandemie ihr Bestes gegeben, um die Produktion am Laufen/aufrecht zu halten und so einerseits die Versorgung der Verbraucher mit den nachgefragten leckeren Produkten sicher zu stellen und andererseits die Arbeitsplätze in den Unternehmen zu erhalten. Doch auch die Süßwarenbranche leidet unter den derzeitigen wirtschaftlichen Bedingungen:

  • Herausforderungen durch massiv gestiegene Kosten durch unter anderem Implementierung von Hygienekonzepten, Ausfälle in der Belegschaft aufgrund der Situation bei der Kinderbetreuung, Logistikkosten, Verpackungsmaterial, Rohstoffe, höhere Krankenstände
  • weitgehende Unsicherheit im Exportgeschäft und zeitweilig geschlossene Grenzen führten zu Schwierigkeiten und Verzögerungen in den Lieferketten
  • Fachkräftemangel: Derzeit sind alle Berufsschulen nur eingeschränkt handlungsfähig und die Aus- und Weiterbildung stockt.

Die Unternehmen des BDSI und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten enorm hart, trotzen dieser Pandemie so gut wie möglich und blicken deshalb mit großer Sorge auf weitere gesetzgeberische Maßnahmen, welche die mittelständische Ernährungswirtschaft weiter zu belasten drohen. «In der aktuellen Situation können die Unternehmen der deutschen Süßwarenindustrie keine weitere zusätzliche Belastung mehr stemmen. Und auch nach der Pandemie wird die Branche eine Weile zur Erholung brauchen. Es ist daher nicht die Zeit für neue kostspielige Regulierungen wie eine erweiterte Nährwert- oder Klimakennzeichnung oder ein bürokratisches nationales Lieferkettengesetz», sagt Bastian Fassin, Vorsitzender des BDSI.

Konjunkturentwicklung der deutschen Süßwarenindustrie 2020

Nach Schätzungen des BDSI blieb die Produktion der in Deutschland hergestellten Süßwaren und Knabberartikel im Jahr 2020 mit zirka 3,9 Millionen Tonnen stabil (+0,0 Prozent). Wertmäßig entwickelte sich die Produktion mit rund 12,7 Milliarden Euro hingegen negativ (-0,5 Prozent). Den Schätzungen des BDSI liegen die amtlichen Zahlen des Statistischen Bundesamtes und die Marktdaten der einschlägigen Marktforschungsinstitute zugrunde.

Das Inlandsangebot (= Produktion + Einfuhr – Ausfuhr) lag im Jahr 2020 mengenmäßig bei knapp 2,8 Millionen Tonnen (+2,6 Prozent), der Inlandsumsatz bei schätzungsweise 9,0 Milliarden Euro (+3,7 Prozent).

Deutliche Rückgänge im wichtigen Exportgeschäft

Das für die deutsche Süßwarenindustrie so wichtige Exportgeschäft mit Süßwaren und Knabberartikeln entwickelte sich 2020 aufgrund der globalen Covid-19-Pandemie und weiterer Unwägbarkeiten im Welthandel wie die Folgen des Brexit oder die weiterhin bestehende Erhebung von US-Strafzöllen auf gesüßte Kekse und Waffelprodukte deutscher Hersteller negativ. Insgesamt wurden schätzungsweise 2,2 Millionen Tonnen Süßwaren und Knabberartikel exportiert. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang von -2,9 Prozent. Der Exportumsatz sank im Jahr 2020 um -3,3 Prozent auf rund 8,4 Milliarden Euro.

Mit einem Exportanteil in der Menge von über 50 Prozent geht mehr als jede zweite Tonne deutscher Süßwaren in den Export. Rund 80 Prozent aller Süßwarenausfuhren werden in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union geliefert, doch steigt der Export in Drittstaaten seit Jahren kontinuierlich an.

Beschäftigtenzahl rückläufig: Die deutsche Süßwarenindustrie beschäftigte als viertgrößte Branche in der Ernährungsindustrie im Jahr 2020 rund 49.000 Mitarbeiter. Dies ist ein Rückgang um rd. 1,6 Prozent respektive rund 800 Arbeitsplätzen.

Innovationen 2021 – leckere Produkte für die kleinen Freuden im Alltag

Die Süßwarenindustrie gehört zu den besonders innovativen Branchen und wird auch im Jahr 2021 eine Vielzahl von Produktneuheiten auf den Markt bringen. In Zeiten der Coronavirus-Pandemie haben es Innovationen jedoch schwer. Messen und Kundenbesuche zum Vorstellen neuer Produktideen fallen weg. Zudem reduzieren die Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Einkaufszeit im Lebenseinzelmittelhandel und greifen eher zum «Klassiker» als zu einem unbekannten, neuen Produkt.

Im Trend liegen Produkte mit natürlichen Zutaten wie Nüsse, Hafer, Sesam, Gewürze oder auch mit getrockneten Beeren. Auch salziges Karamell erfreut sich großer Beliebtheit, besonders als Füllung in Schokolade, Keksen oder Eis. Bei den Salzigen Snacks liegen derzeit besonders Nüsse, Nuss- sowie Nuss-Fruchtmischungen im Trend. Immer mehr Marken im Knabber-Regal greifen verbraucherrelevante Aspekte wie Natürlichkeit und Convenience in ihrem Sortiment auf. In der Regel werden Nüsse und Hülsenfrüchte zum sofortigen Verzehr aufbereitet, das heißt geröstet und gesalzen/gewürzt. Aber auch ungesalzene und gebackene Produkte werden nachgefragt.

Produkte für individuelle Lebensstile gewinnen weiter an Bedeutung

Bereits heute gibt es neben den klassischen, traditionellen Produkten, die seit Jahren erfolgreich am Markt sind, eine Reihe von Varianten mit reduziertem Zucker-, Fett- respektive Salzgehalt, vegane, gluten- und laktosefreie Erzeugnisse sowie weitere innovative Produkte. Die deutsche Süßwarenindustrie begreift sich wandelnde Verbraucherwünsche als Chance, entwickelt das Produktangebot stetig fort und reagiert auf neue Bedürfnisse und wissenschaftliche Erkenntnisse.

«Ob zuckerreduzierte respektive zuckerfreie Bonbons oder Kekse, vegane Schokolade oder fettreduzierte Chips: Seit Jahren bemühen sich die Hersteller, für jeden Verbrauchergeschmack passende Angebote zu machen. Die Süßwarenindustrie wünscht sich jedoch, dass der Konsument auch in Zukunft sein Produkt selbstständig auswählen darf und nicht auf von der Politik gestalte Einheitsprodukte zurückgreifen muss», sagt Bastian Fassin.

Starkes Engagement der deutschen Süßwarenindustrie für Nachhaltigkeit

Der Einsatz nachhaltig erzeugter Rohstoffe in Süßwaren und Knabberartikeln wird von der deutschen Süßwarenindustrie seit vielen Jahren intensiv vorangetrieben. Dies gilt besonders für Kakao, den wichtigsten Rohstoff der Schokolade. Die Zertifizierung ist dabei ein wichtiger Baustein für die Entwicklung eines nachhaltigen Kakaosektors. Im Jahr 2019 erreichte der Anteil an nachhaltig zertifiziertem Kakao 72 Prozent. Bei der ersten Erhebung des BDSI für das Jahr 2011 lag dieser Anteil bei nur zirka 3 Prozent. Die Süßwarenindustrie ist somit auf einem sehr guten Weg.

Dies gilt auch für das in der Süßwarenproduktion eingesetzte Palmöl respektive Palmkernöl. 94 Prozent des in der deutschen Süßwarenindustrie verwendeten Palmöls ist bereits heute nachhaltig zertifiziert. Damit nimmt die deutsche Süßwarenindustrie eine führende Rolle ein. Die Unternehmen der Süßwarenindustrie setzen sich verantwortlich für den Umwelt- und Artenschutz bei der Palmölproduktion ein, auch wenn Palmöl in der deutschen Süßwarenindustrie im Verhältnis zum Gesamtverbrauch sowohl national (9 Prozent) wie auch weltweit (0,2 Prozent) in vergleichsweise geringen Mengen zum Einsatz kommt.

Weiterhin engagiert sich der BDSI intensiv im «Forum Nachhaltiger Kakao», einer 2012 gegründeten Gemeinschaftsinitiative. Neben Mitgliedern aus der Schokoladen- und Süßwarenindustrie sowie des Lebensmittelhandels setzen sich in dieser Organisation unter anderem auch die Bundesregierung und standardsetzende Vereinigungen wie Fairtrade und die Rainforest Alliance sowie Vertreter der Zivilgesellschaft ein. Auch in der Multistakeholder-Intiative «Forum Nachhaltiges Palmöl» gehört der BDSI zu den engagierten Mitgliedern.

Entwicklung bei den einzelnen Produktgruppen

Schokoladewaren

Die mengenmäßige Produktion von Schokoladewaren entwickelte sich nach Schätzungen des BDSI im Jahr 2020 leicht positiv. Insgesamt wurden in Deutschland zirka 1,1 Millionen Tonnen Schokoladewaren produziert (+1,5 Prozent). Der Produktionswert stieg leicht um etwa +0,5 Prozent auf rund 5,5 Milliarden Euro. Der Export von Schokoladewaren war 2020 in der Menge rückläufig (-1,3 Prozent). Auch der Exportwert von Schokoladewaren sank deutlich um zirka -4,6 Prozent.

Feine Backwaren

Die Hersteller von Feinen Backwaren verzeichneten 2020 eine insgesamt positive Entwicklung. In der Menge stieg die Produktion von Feinen Backwaren auf Basis der Schätzungen des BDSI um +3,2 Prozent. Insgesamt wurden etwa 783.000 Tonnen Feine Backwaren produziert. Im Wert stieg die Produktion um 3,3 Prozent auf rund 2,3 Milliarden Euro. Das Saisongeschäft mit Herbst- und Weihnachtsgebäck entwickelte sich zufriedenstellend. Auch die Entwicklung der Exporte lag 2020 bei den Feinen Backwaren mit einem Zuwachs von +0,2 Prozent in der Menge und +0,3 Prozent im Wert leicht im Plus. Sehr stark leidet allerdings das Exportgeschäft in die USA durch die Strafzölle im Flugzeugbau-Streit.

Bonbons und Zuckerwaren

Die Hersteller von Zuckerwaren verzeichneten 2020 eine leicht negative Entwicklung. Die mengenmäßige Produktion sank im Vergleich zu 2019 um schätzungsweise -1,5 Prozent auf 569.000 Tonnen, im Wert um -0,6 Prozent auf zirka 1,5 Milliarden Euro. Die Entwicklung der Exporte war 2020 bei den Bonbons und Zuckerwaren mit einem Rückgang von -3,6 Prozent in der Menge und -1,9 Prozent im Wert ebenfalls negativ.

Knabberartikel

Die Hersteller von Knabberartikeln konnten die positive Entwicklung der Vorjahre fortsetzen und erneut Zuwächse verzeichnen. Die Produktionsmenge stieg nach Schätzungen des BDSI um +1,7 Prozent auf rund 380.000 Tonnen. Im Wert konnte die Produktion ein Wachstum von +4,7 Prozent auf etwa 1,7 Milliarden Euro verzeichnen. Die Kategorie der Salzigen Snacks gilt im deutschen Markt bereits seit Jahren als Wachstumssegment innerhalb der Süßwarenbranche – besonders durch positive Entwicklungen im Nuss-Segment. Die Exporte entwickelten sich 2020 bei den Knabberartikeln hingegen negativ, sie sanken gegenüber dem Vorjahr um -6,3 Prozent in der Menge und -4,6 Prozent im Wert (Foto: pixabay.com).