Donnerstag, 22. Oktober 2020

BDP initiiert Gemeinschaftsprojekt zu neuen Züchtungsmethoden

Bonn. (bdp / eb) Der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) hat in Berlin das Forschungsvorhaben «Pilton» vorgestellt. In dem von fast 60 Pflanzenzüchtungsunternehmen getragenen Projekt sollen Weizenpflanzen mit verbesserter, multipler und dauerhafter Pilztoleranz durch CRISPR/Cas entwickelt werden. «Mit dem Projekt wollen wir prüfen, welchen Nutzen neue Züchtungsmethoden für eine ressourcenschonende und produktive Landwirtschaft haben. Konkret geht es darum, das Potenzial zur Einsparung von Pflanzenschutzmitteln zu evaluieren», erklärte die BDP-Vorsitzende Stephanie Franck.

Die Pflanzenzüchter wollen im Projekt beispielhaft aufzeigen, dass mit neuen Züchtungsmethoden Pflanzen mit wichtigen Eigenschaften entstehen können, die es sonst nur, wenn überhaupt, mit erheblicher Verzögerung gäbe. Dr. Klaus Wagner, Präsident des Thüringer Bauernverbands e. V., verwies auf den Bedarf der Landwirtschaft, so schnell wie möglich angepasste Sorten einsetzen zu können. «Klimaveränderungen und der Wegfall vieler Pflanzenschutzmittel machen es für die Landwirte zur Herausforderung, ein stabiles Ertragsniveau mit hoher Qualität halten zu können. Deshalb brauchen wir neue Methoden aus der Pflanzenzüchtung. Darauf zu verzichten, können wir uns nicht leisten», stellte er fest.

Im Projektverlauf soll die Abwehrreaktion gegen Krankheitserreger gestärkt werden, indem ein pflanzeneigenes Regulatorgen inaktiviert wird. «Wir erwarten, dass dies zu einer breiten und dauerhaften Toleranz gegen Pilzkrankheiten wie Braunrost, Gelbrost, Septoria und Fusarium führt», beschrieb Dr. Anja Matzk, Head Plant Biotechnology Innovation beim Pflanzenzüchter KWS, einem der Projektpartner, die Zielsetzung des Projekts. Die für das Forschungsvorhaben notwendigen Arbeiten erfolgen durch den Einsatz von gezielter Mutagenese mittels Cas-Endonukleasen. Dabei werden ausschließlich einzelne, eigene Gene des Weizens gezielt bearbeitet.

Die Pflanzenzüchter wollen darüber hinaus auch prüfen, wie derzeit angebotenen CRISPR/Cas-Methoden von Unternehmen der Pflanzenzüchtung, auch vor dem Hintergrund bestehender Schutzrechte, genutzt werden können. Lizenzstrukturen der Anbieter und deren Anforderungen an potenzielle Lizenznehmer sollen mit den Möglichkeiten der in Deutschland tätigen Pflanzenzüchtungsunternehmen abgeglichen werden.

Eine zentrale Frage ist, wie die erzielten Projektergebnisse in der landwirtschaftlichen Praxis ankommen können. Eine Überprüfung im Feld ist unerlässlich, um die Toleranzeigenschaften unter Praxisbedingungen zu testen. Der Europäische Gerichtshof hat Pflanzen, die mithilfe neuer Züchtungsmethoden entwickelt wurden, im Jahr 2018 pauschal als gentechnisch veränderte Organismen (GVO) eingestuft. Die damit verbundenen Auflagen und Konsequenzen machen eine Anwendung der neuen Methoden derzeit praktisch unmöglich. «Nach wissenschaftlicher Erkenntnislage gibt es keinen Grund, Pflanzen, die sich nicht von klassisch gezüchteten unterscheiden oder auch natürlicherweise vorkommen könnten, als GVO zu regulieren. Die Gesetzgebung muss entsprechend angepasst werden», fordert Franck. Details zum Projekt stehen unter www.pilton.bdp-online.de zur Verfügung,

Der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) bündelt die Interessen seiner Mitglieder aus den Züchtungsbereichen Landwirtschaft, Gemüse, Zierpflanzen und Reben sowie dem Saatenhandel. Rund 130 Unternehmen sind auf den Gebieten der Züchtung und des Vertriebs landwirtschaftlicher und gartenbaulicher Kulturarten tätig. Davon betreiben 58 eigene Zuchtprogramme. Die einzelnen Firmen arbeiten in der Regel an mehreren Fruchtarten. Der BDP setzt sich auf nationaler und europäischer Ebene für eine optimale Ausgestaltung der Rahmenbedingungen für die Züchtung und die Saatgutwirtschaft sowie für die Organisation der Pflanzenforschung, für die Förderung neuer Technologien und die Weiterentwicklung des Sorten- und Saatgutwesens ein.


Nachtrag: Definition CRISPR/Cas-Methode

Die CRISPR/Cas-Methode (von engl. Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats – gruppierte kurze palindromische Wiederholungen mit regelmäßigen Abständen und CRISPR-associated – CRISPR-assoziiertes Protein) ist eine molekularbiologische Methode, um DNA gezielt zu schneiden und zu verändern (Genome Editing). Gene können mit dem CRISPR/Cas-System eingefügt, entfernt oder ausgeschaltet werden, auch Nukleotide in einem Gen können geändert werden. Aufgrund der einfachen Durchführung, der Skalierbarkeit hinsichtlich unterschiedlicher Zielsequenzen und der geringen Kosten wird die CRISPR/Cas-Methode zunehmend in der Forschung eingesetzt, weiß Wikipedia ausführlich.

Rechtliche Beurteilung: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschied am 25. Juli 2018, dass grundsätzlich auch mit der CRISPR/Cas-Methode (Mutagenese) bearbeitete Pflanzen ohne Fremd-DNA als gentechnisch veränderte Organismen (GVO) anzusehen sind und grundsätzlich den in der GVO-Richtlinie vorgesehenen Verpflichtungen unterliegen. Geklagt hatte die französische Bauerngewerkschaft Confédération paysanne und weitere acht Verbände gegen die französische Regierung.

Zum Thema »Gezielte Mutagenese« gibt es hier noch andere Beiträge (Foto: pixabay.com).