Mittwoch, 8. Februar 2023
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Bayer AG: hält an umstrittenem Unkrautvernichter fest

Bremerhaven. (usp) Großflächige Textanzeigen hat die Bayer AG mit Fokus auf ihr Monsanto-Erbe Glyphosat in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) und im Handelsblatt mit Datum vom 14. Juni geschaltet. Überschrift: «Wir haben zugehört. Und verstanden». Der WebBaecker ist sich da nicht so sicher. Im Gegenteil: Eigentlich müssten jetzt landauf, landab die Alarmglocken schrillen, denn: Wenn ein global agierender Konzern beginnt, wortreiche Anzeigen zu schalten, dann hat er nicht zwingend Großes zu sagen. Möglicherweise will er sich nur rechtfertigen. Weil er merkt, dass sein Image Schrammen bekommen hat analog zum Aktienkurs, der seit einem Jahr nur eine Richtung kennt: nach unten. Die teuren Anzeigen nutzt der Konzern jetzt, um wieder einmal nur eine unverbindliche Absichtserklärung abzugeben. Die soll die Gemüter beruhigen, mehr nicht.

Es ändert sich nichts

Wie in der Anzeige nachzulesen ist, wird die Bayer AG rechtzeitig die Wiederzulassung von Glyphosat in Europa beantragen, sobald die jetzige Zulassung bis 2023 ausläuft. Ein glaubwürdiger, echter Wandel sieht anders aus. Immerhin gibt der Konzern zu, dass der globale Erfolg von Glyphosat in einigen Regionen der Welt zu «Unkrautresistenzen beigetragen» hat. Soll heißen, dass die umstrittene Giftkeule auf einigen Feldern nicht mal mehr wirkt – was hauptsächlich im Ursprungsland USA der Fall zu sein scheint. Der Konzern gibt ebenfalls zu, dass es «in manchen Fällen auch zu unbeabsichtigten Fehlanwendungen» gekommen ist. Das war’s dann auch schon mit der neuen Offenheit und Transparenz. Wer die Zeilen aufmerksam liest, der hat verstanden: Es soll alles bleiben wie es ist, die Geldmaschine Glyphosat ungestört laufen wie bisher.

Welcher Intention folgt die Erklärung?

Andererseits überschatten die anhaltenden rechtlichen Risiken, gemeint sind die noch anhängigen 13’400 Klagen in den USA, weiterhin den Aktienkurs des DAX-Konzerns. Das ist möglicherweise der wahre Beweggrund für die öffentliche Erklärung: Die Bayer AG ist heute, zusammen mit ihrer neuen Tochter, weniger wert als der Kaufpreis, für den sie vor gut einem Jahr Monsanto akquirierte. Zur Erinnerung: Der Konzern legte rund 63 Milliarden Euro hin, um sich seine Träume vom Global Player im Agrarsegment zu erfüllen. Heute ist die Gruppe inklusive ihres Neuzugangs nur noch etwa 50 Milliarden Euro wert am Deutschen Aktienindex DAX. Sie hat fast 50 Prozent ihres Werts eingebüßt. Auch die eingangs genannten, großflächigen Anzeigen helfen da wenig – der Aktienkurs gibt weiter nach. Experten sind sicher: Angesichts der anhängigen 13’400 Klagen in den USA und den bislang gefällten Urteilen wird der Konzern um einen milliardenschweren Vergleich kaum herum kommen.

Der große Wirbel um 500 Millionen Euro pro Jahr

«Mit unseren Lösungen wollen wir die Auswirkungen auf die Umwelt bis 2030 um 30 Prozent reduzieren», lesen wir in der großen Erklärung des Konzerns und denken insgeheim: Mehr nicht? Nun können wir an dieser Stelle kaum die Jahrzehnte währenden Fehlentwicklungen auf allen Ebenen der Agrarpolitik, gerade mit Fokus auf die Ausbeutung von Natur und Landwirten, in einem Satz erklären oder auflösen. Wir sind froh, die 30 Prozent wenigstens mal Schwarz auf Weiß zu sehen. Wir wollen hoffen, dass sich die Agrarpolitik in diesem Land, traditionell dem Deutschen Bauernverband und der Agrarindustrie zugetan, künftig mehr am Bedarf von Umwelt und Natur orientiert. Besser noch, sie nähme sich beide zum Maßstab.

Die vielleicht größte Luftbuchung in der großen Erklärung der Bayer AG ist die Ankündigung, in den nächsten zehn Jahren rund fünf Milliarden Euro zu investieren, um zusätzliche Methoden zur Unkrautbekämpfung zu erforschen (5000:10=500). «Wir wollen Landwirten weltweit die effektivsten und sichersten Lösungen anbieten und ihnen vermitteln, wie sie diese am besten nutzen können», lesen wir und glauben, dass auch heute schon jedem Gebinde Glyphosat eine Gebrauchsanweisung beigelegt ist. Darüber hinaus gehören Forschung und Entwicklung zum Tagesgeschäft eines jeden Unternehmens. Innovationskraft ist eine Basis, über die man nicht weiter reden muss. Vor diesem Hintergrund relativieren sich die fünf Milliarden Euro, die der Konzern innerhalb seines Etats umschichten will – und muss, denn: Gibt der Konzern schon öffentlich zu, dass der umstrittene Unkrautvernichter auf einigen Feldern gar nicht mehr wirkt, dann scheint das höchste Zeit zu sein.

»Wir haben Verstanden« zum Nachlesen

Die erörterte Textanzeige gibt es auf dem Server der Bayer AG zum Download. Dort haben wir die PDF-Datei (1037 KB) heruntergeladen, um sie hier direkt gegenüber zu stellen:

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