Freitag, 23. Februar 2024
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Bäcker Wiedemann: klare Ziele, klares Profil

Berlin. (kw / eb) Der Backwarenmarkt in Berlin ist ein schwieriger Markt. Manche Entwicklung, die an der Spree ihren Anfang nahm, traf erst Jahre später in anderen Regionen Deutschlands ein. Dass die Bundeshauptstadt mit Blick auf ihre Bäckerbranche nicht nur Epizentrum ist, sondern man genau hinsehen muss, wie und mit welchen Mitteln sich die Branche in anderen Teilen Deutschlands entwickelt, hat der Westberliner Konditor, Bäckermeister, Büro- und Industriekaufmann Klaus Wiedemann nach der Wende sehr schnell realisiert und erfolgreich umgesetzt. Heute zählt die Bäcker Wiedemann GmbH – Stichtag 31. Dezember 2015 – gut 30 Filialen und um die 210 Mitarbeitende (1989: sieben Filialen).

Seit 1895 steht der Bäcker Wiedemann für traditionelle Berliner Backkultur auf höchstem Niveau. Unter Verzicht auf industrielle Backstraßen werden täglich Brote, Brötchen, Kuchen und Snacks aus besten Zutaten handwerklich hergestellt und in den eigenen Filialen in guten und sehr guten Geschäftslagen mit Kaffeespezialitäten im Großraum Berlin verkauft. Brote werden mit Natursauerteig hergestellt und in traditionellen Steinöfen gebacken. Brötchen werden in den Filialen ofenfrisch gebacken. Ein spezielles Verfahren der besonders langen Teigreife, wie beim Baguette in Frankreich, bewirkt einzigartigen Geschmack und hält die Brötchen länger knusprig. Eigene Produktentwicklungen, wie etwa die Schrippe mit Herz, das Kraftprotzbrot und -brötchen, die Uhr-Zeit-Kruste oder der Frische Fritz konnten als stadtbekannte, starke und geschützte Marken etabliert werden. Die begleitende, von der Berliner Morgenpost ausgezeichnete, innovative Werbekampagne unterstützt die anhaltend starke Nachfrage.

Allgemeine Rahmenbedingungen

Die 12.155 Betriebe (Vorjahr 12.611) des deutschen Bäckerhandwerks erwirtschafteten 2015 netto etwa 13,99 Milliarden Euro Umsatz, etwa 470 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Der Konzentrationsprozess im Bäckerhandwerk auch im Großraum Berlin ist weiter fortgeschritten. Selbst konzernstrukturierte Großfilialisten konsolidieren ihre Filialnetze und schließen unprofitable Filialen.

Die SB-Bäckereiketten haben ihre Filialnetze in Berlin inzwischen flächendeckend ausgebaut. Hierbei handelt es sich um Aufbackstationen einfacher, industriell hergestellter, halbgebackener oder tiefgefrorener Backwaren im Niedrigpreissegment. Die Überschneidungen der Zielgruppe mit der im Premiumsegment angesiedelten Bäcker Wiedemann GmbH sind gering.

Auch weiterhin konnten und können gestiegene Kosten mit zeitnahen Anpassungen der Verkaufspreise kompensiert werden.

Rahmenbedingungen der Bäckerei

Seit Jahren wird die Alleinstellung der Bäcker Wiedemann GmbH als Anbieter qualitativ hochwertiger und einer gesundheitsbewussten Ernährung entsprechender Backwaren im Berliner Raum weiter entwickelt. Diese Marktnische wird von Jahr zu Jahr durch die Stärkung bereits vorhandener und die Entwicklung neuer Alleinstellungsmerkmale noch fester besetzt. Bei allen Entscheidungen hat Ertragswachstum nach wie vor Priorität vor bloßem Umsatzwachstum. Restriktives Kostenmanagement, permanente innovative Produktentwicklung, vor allem von besonders deckungsbeitragsstarken, eigenen Markenartikeln, professionelle Werbung und zusätzlich kontinuierliche Pressearbeit verbessern die positive Sonderstellung der Bäcker Wiedemann GmbH stetig.

Mitarbeitende

Um auch zukünftig den Fachkräftebedarf zu sichern, bildet die Bäcker Wiedemann GmbH in allen relevanten Ausbildungsberufen, insbesondere auch zur Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk, Schwerpunkt Bäckerei, aus. Hierbei wird den Auszubildenden als Anreiz bereits bei Abschluss des Ausbildungsvertrags eine Anschlussarbeitsplatzgarantie gegeben für den Fall, dass sie die Abschlussprüfung mit der Note 2,0 oder besser ablegen.

Notwendige Investitionen

Sämtliche erforderlichen oder zielführenden Investitionen in den Bereichen Produktion, Fuhrpark, Filialen und Verwaltung werden kontinuierlich durchgeführt. Hierdurch werden konsequent Instandhaltungsrückstaus vermieden. So wurden 2015 zwei weitere neue, innovative und energetisch optimierte Backöfen in Betrieb genommen.

Ertragslage

Der Jahresüberschuss nach Abschreibung, Zinsen und Steuern konnte mit 1.545 Tausend Euro (Vorjahr 1.400 Tausend Euro) um 145 Tausend Euro erneut gesteigert werden. Der Umsatz erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 643 Tausend Euro auf 13.722 Tausend Euro.

Prognose, Chancen und Risiken

Für 2016 erwartet das Unternehmen eine Umsatzsteigerung um etwa vier Prozent auf etwa 14.200 Tausend Euro. Durch die erfolgreiche Platzierung neuer Produkte und eine angemessene Anpassung der Verkaufspreise konnten und können die Lohnkostensteigerungen 2015 und 2016 kompensiert werden. Die Einführung des Mindestlohns spielte hierbei keine Rolle, da die tariflichen Löhne bereits über diesem Niveau liegen. Auch bei Bäcker Wiedemann, wie in der gesamten Branche, konnten nicht alle Ausbildungsplätze mit geeigneten Bewerbern besetzt werden.

Dies berücksichtigend rechnet das Unternehmen 2016 mit einem Jahresergebnis auf dem hohen Niveau des Vorjahres in Höhe von etwa 1.600 Tausend Euro. Für 2017 rechnet der Bäcker Wiedemann mit einer Steigerung des Umsatzes und Ergebnisses um jeweils etwa drei Prozent.

Die Bäcker Wiedemann GmbH unterhält im Jahr 2015 insgesamt 32 Verkaufsfilialen (Vorjahr 31), davon eine in Potsdam und eine in Teltow.

Bestehende Mietverträge werden, besonders bei anstehenden Verlängerungen, auch weiterhin konsequent nachverhandelt. Bestehende Filialstandorte wurden und werden rechtzeitig, durch entsprechende Nachträge mit längeren Laufzeiten oder weiteren Optionen gesichert. Attraktive Flächenangebote werden regelmäßig eingeholt und geprüft. Hierdurch ergeben sich Chancen auf weiteres Wachstum durch die Eröffnung neuer Filialen.

Es werden fast 100 Prozent der Umsätze in eigenen Filialen erwirtschaftet, die über langfristige Mietverträge gesichert sind. Besonders erfreulich in diesem Zusammenhang ist, dass konzernstrukturierte Vermieter und Betreiber – auch von Shoppingcentern – den Bäcker Wiedemann hier als starken, regionalen Anbieter den Vorzug vor national oder international operierenden, uniformen, industriellen Großfilialisten geben. Strategisch konsequent werden auch zukünftig die Umsätze in den eigenen Filialen mit verschiedenster Vermieterstruktur erzielt. Hierdurch sind größere Umsatzeinbrüche durch etwaige Beendigungen von Lieferverträgen an zumeist preissensible Großabnehmer wie zum Beispiel den Lebensmittel- Einzelhandel ausgeschlossen (Foto: pixabay.com).

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