Freitag, 2. Dezember 2022
20220614-DESTATIS

Agrarprodukte: Amtliche Preisstatistik meldet neue Rekorde

Wiesbaden. (destatis) Die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte waren im April 2022 um 39,9 Prozent höher als im April 2021. Dies ist der höchste Preisanstieg gegenüber einem Vorjahresmonat seit Beginn der Erhebung im Jahr 1961. Im März 2022 hatte die Veränderungsrate +34,7 Prozent betragen, auch dies war bereits ein Rekordanstieg. Im Vormonatsvergleich stiegen die Preise um 5,6 Prozent. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, erhöhten sich sowohl die Preise für pflanzliche (+45,7 Prozent) als auch für tierische Erzeugnisse (+35,8 Prozent) deutlich gegenüber dem Vorjahresmonat.

Der Preisanstieg bei den pflanzlichen Produkten ist unter anderem auf die seit Juli 2020 steigenden Getreidepreise zurückzuführen. Diese lagen im April 2022 um 77,6 Prozent über dem Vorjahresmonat und damit noch etwas höher als im März 2022 mit 70,2 Prozent. Ausschlaggebend für die enorme Preissteigerung bei Getreide ist noch immer die Verknappung des Angebots infolge des Kriegs in der Ukraine.

Preise für Obst gesunken, für Gemüse, Kartoffeln und Raps gestiegen

Die Erzeugerpreise für Obst waren im April 2022 um 14,9 Prozent niedriger als noch vor einem Jahr.

Der frühe flächendeckende Saisonstart bei Erdbeeren ging mit einem Preisrückgang von 24,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat einher. Der Preisrückgang ist unter anderem durch den guten Ernteertrag aufgrund des Wetters und das dadurch große Angebot begründet. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Erdbeeren in diesem Jahr niedrig.

Anm.d.Red.: Nicht «die Nachfrage nach Erdbeeren» ist in diesem Jahr niedrig, sondern nur «die Nachfrage nach deutschen Erdbeeren». Während deutsche Landwirte dazu übergegangen sind, Erdbeeren auf dem Feld unterzupflügen, weil sie nicht die erforderlichen Abnahmepreise erzielen können, bevorzugen Verbraucher Importware, die noch einigermaßen bezahlbar ist.

Beim Gemüse (+1,1 Prozent) stiegen besonders die Preise für Gurken (+53,6 Prozent) und Spargelt (+32,6 Prozent), deren Saison im April anlief. Beim Spargel sorgte das zu Saisonbeginn knappe Angebot in Verbindung mit hohen Produktionskosten für den Preisanstieg, bei den Gurken vor allem die steigenden Energiekosten für die Beheizung und Belichtung der Gewächshäuser.

Anm.d.Red.: Hier fehlt der Hinweis, dass der in früheren Jahren sehr begehrte Spargel angesichts der hohen Produktionskosten plötzlich zu den verzichtbaren Gemüsesorten zählt und die Nachfrage nach deutschem Spargel einbrach. Auch hier greifen Verbraucher eher auf Importware zurück, weil die noch einigermaßen bezahlbar ist.

Bei Speisekartoffeln hielt der Preisanstieg der letzten Monate weiter an: Sie verteuerten sich im April 2022 im Vergleich zum April 2021 um 106,2 Prozent. Im März 2022 hatte die Veränderung gegenüber dem Vorjahresmonat bereits +91,7 Prozent betragen. Der Preisanstieg im April ist weiterhin vor allem auf witterungsbedingt geringe Erntemengen und ein relativ niedriges Preisniveau im April 2021 zurückzuführen (Basiseffekt). Damals gab es aufgrund von großen Erntemengen und der fehlenden Nachfrage der Gastronomie durch Corona einen Preisrückgang im Vorjahresvergleich von 54,5 Prozent.

Die Preise für das Handelsgewächs Raps verteuerten sich im April 2022 um 77,1 Prozent im Vergleich zu April 2021. Damit setzte sich auch hier der Trend der letzten Monate fort. Im März 2022 waren die Preise bereits um 70,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Die weiterhin hohen Preise liegen hier vor allem an der knappen Versorgungslage bei gleichzeitig hoher Nachfrage, zum Beispiel für die Herstellung von Biogas oder die Verwendung von Raps als Treibstoff (Biodiesel).

Preise für tierische Erzeugnisse um 35,8 Prozent gestiegen, für Milch um 37,0 Prozent

Die Preise für tierische Erzeugnisse lagen im April 2022 um 35,8 Prozent über den Preisen von April 2021. Im März 2022 hatte der Preisanstieg im Vergleich zum Vorjahresmonat bereits 29,5 Prozent betragen. Der Milchpreis lag im April 2022 um 37,0 Prozent über dem Vorjahresmonat; im März 2022 waren es +33,3 Prozent im Vorjahresvergleich.

Die Preise für Eier sind im April 2022 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 18,0 Prozent gestiegen, was unter anderem an den gestiegenen Energie-, Transport- und Verpackungskosten sowie einer verringerten Anzahl an Junghennen aufgrund der Geflügelpest liegt.

Die Preise für Tiere verteuerten sich im April 2022 um 36,3 Prozent gegenüber April 2021. Im März 2022 hatte die Preissteigerung +28,6 Prozent betragen. Die weiterhin hohen Preise liegen hier unter anderem an den steigenden Energiekosten und Futtermittelpreisen, welche durch den Krieg in der Ukraine noch einmal verstärkt wurden.

Die Preise für Rinder lagen im April 2022 um 48,5 Prozent , die der Schlachtschweine um 32,8 Prozent über denen des Vorjahresmonats.

Die Preise für Geflügel stiegen im April 2022 um 27,0 Prozent gegenüber April 2021. Ausschlaggebend hierfür ist der Preisanstieg bei Hähnchen (+35,9 Prozent) (Grafik: Destatis).

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