Dienstag, 27. Februar 2024
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3D-Druck in der Bäckerei kann Lücke schließen

Kamp-Lintfort. (ssz) Das zdi-Zentrum und das 3D-Kompetenzzentrum der Hochschule Rhein-Waal testen Einsatzmöglichkeiten des 3D-Drucks in der Niederrheinischen Landbäckerei Berns.

Ist die Marzipanmasse zu kalt und deshalb zu zäh? Wie lassen sich mit Butterkrem Ornamente auf eine Torte drucken? Welche Beschaffenheit muss der Plätzchenteig haben, um per 3D-Druck aufs Backblech gebracht zu werden? Mitarbeiter des zdi-Zentrums (Zukunft durch Innovation) Kamp-Lintfort und des 3D-Kompetenzzentrums der Hochschule Rhein-Waal experimentierten mehrere Tage gemeinsam mit Konditorinnen und Konditoren der Niederrheinischen Landbäckerei Berns in Kamp-Lintfort. Mit dabei und wahrscheinlich integraler Bestandteil des Praxiseinsatzes: Die 3D-Drucker, deren Anschaffung die «Stiftung Standort- und Zukunftssicherung» (SSZ) des Landkreises Wesel durch eine Projektförderung von 24.000 Euro erst kürzlich ermöglicht hatte.

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Experiment unter Praxisbedingungen

Es ist warm und riecht nach frischem Rosinenstuten. Alle paar Minuten kommt ein Stikkenwagen mit Blechen voller ofenwarmer Gebäcke um die Ecke, man hört auf der einen Seite Geschirrklappern, auf der anderen die Kommandos, die sich die Bäcker zurufen. Zwischen Verkaufstheke und Backstube haben Marc Kohlen und Gaia di Martino von der Hochschule Rhein-Waal Laptops und 3D-Drucker aufgebaut, um mit Praktikern zusammen die Möglichkeiten des 3D-Food Printing auszuloten. Johann Berns, Seniorchef des Familienunternehmens, hatte in die Zentrale der Niederrheinischen Landbäckerei Berns eingeladen. 1860 gegründet, zählt das Unternehmen in sechster Generation heute gut 200 Mitarbeitende.

Der 66jährige Bäckermeister schaut interessiert zu, wie Marc Kohlen, wissenschaftlicher Mitarbeiter des 3D-Kompetenzzentrums, mit einem Grafikprogramm auf dem Computer aus dem Schriftzug der Landbäckerei und dem Firmenlogo dreidimensionale, druckbare Vorlagen modelliert. Seine italienische Kollegin Gaia di Martino, noch Studentin in Turin, ist für das kleine Projekt des 3D-Kompetenzzentrums der Hochschule eigens angereist. Sie überwacht den Druckvorgang: Werden die Düsen des 3D-Druckers das Wort «Landbäckerei» diesmal mit rosa Marzipan schreiben, ohne die Buchstaben zu verschmieren? Johann Berns sieht im 3D-Druck eine interessante Möglichkeit, individualisierte Produkte nach Kundenwunsch, etwa Torten oder anderes Gebäck, herzustellen. Allerdings müsse das flotter gehen als auf herkömmliche Weise, also wenn ein geübter Konditor die Spritztüte ansetzt. Nur sind gute Konditoren schwer zu finden: auch in diesem Beruf zeichnet sich Fachkräftemangel ab. Der Einsatz moderner Technologie, sagt Berns, könnte da in Zukunft eine Lücke schließen.

Marzipan, Butterkrem, Spritzgebäck, Kuvertüre…

Drei Tage später hat das Team von der Hochschule auch mit Plätzchenteig und Butterkrem experimentiert und sich bei den Druckversuchen in der Backstube von einem Fernsehteam über die Schulter schauen lassen. Im FabLab der Hochschule Rhein-Waal am Standort Kamp-Lintfort gibt es zudem Druckversuche mit temperierter Kuvertüre zu sehen. Fondant wäre wahrscheinlich auch nicht schlecht…

3D-Drucker wichtig für regionale Innovationsfähigkeit

Die Kooperation mit der Niederrheinischen Landbäckerei Berns zeigt nach Angaben aller Beteiligten: Die Zukunftstechnologie des dreidimensionalen Druckens ist wichtig für die regionale Innovationsfähigkeit, selbst in einem so traditionsreichen Gewerbe wie dem Bäcker- und Konditorhandwerk. Dabei ist 3D-Druck mit Lebensmitteln, das sogenannte «3D-Food-Printing» nur eine von unzähligen Einsatzmöglichkeiten. Die Druckversuche in der Backstube sollen jedenfalls in einigen Wochen weitergehen, wenn die Ergebnisse der ersten Experimente ausgewertet sind (Fotos: pixabay.com).

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