Home > Markt + Unternehmen > Bäckerhandwerk: aktuelle Kennzahlen im Rückblick

Bäckerhandwerk: aktuelle Kennzahlen im Rückblick

20170518-BERLIN
Anzeige
GOECOM Software

 

Berlin. (zv) Am 5. Tag des Deutschen Brotes präsentierte der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks (ZV) aktuelle Zahlen der Branche im Jahresrückblick. Bei sinkenden Betriebszahlen (11.737) und konstant steigendem Umsatz (14,29 Milliarden Euro) ist das Bäckerhandwerk nach wie vor Spitzenreiter im Marktsegment Quick-Service-Restaurant des Außer-Haus-Marktes. Präsident Michael Wippler und Hauptgeschäftsführer Daniel Schneider sprachen über Erfolge und künftige Herausforderungen. Aufgrund des Rückgangs der Ausbildungszahlen (17.874) liegt dem Zentralverband die Nachwuchsförderung besonders am Herzen. So ist der Botschafter des Deutschen Brotes 2017, Cem Özdemir, gleichzeitig auch Schirmherr der Nachwuchskampagne «Back dir deine Zukunft» und steht wie das deutsche Bäckerhandwerk für Vielfältigkeit, Tradition und Kultur ein.

Bei Betrachtung der Statistik wird deutlich, dass sich der Trend aus den letzten Jahren fortsetzt. Die Umsätze sind weiterhin steigend, während die Betriebszahlen sinken. Zurückzuführen ist dies auf den laufenden Konzentrationsprozess. Das Bäckerhandwerk ist weiterhin von kleinen Betriebsstrukturen geprägt (64,3 Prozent der Betriebe unter 500.000 Euro Umsatz pro Jahr), die allerdings nur noch für 8,3 Prozent des gesamten Umsatzes verantwortlich sind. Der größte Anteil am Umsatz wird von den 4,6 Prozent der Betriebe mit über 5.000.000 Euro Umsatz pro Jahr erwirtschaftet (66,2 Prozent). Stark präsentiert sich das Bäckerhandwerk im Außer-Haus-Markt. Mit einem Wachstum von plus 1,5 Prozent ist es Spitzenreiter im Marktsegment Quick-Service-Restaurants (QSR) und verzeichnete hier im Jahr 2016 1,05 Milliarden Besuche. Schließungen von Betrieben, der Konzentrationsprozess und der fehlende Nachwuchs sind verantwortlich für den leichten Rücklauf der Beschäftigtenzahl (minus 0,65 Prozent).

20170518-ZV-WIPPLER-SCHNEIDER

Konzentration auf Nachwuchsförderung

Die Nachwuchssorgen des Bäckerhandwerks halten an. Lag die Zahl der Auszubildenden im Jahr 2015 bei 18.811, ist sie 2016 auf 17.874 gesunken. Einer jüngsten Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung zum 30. September 2016 zufolge blieben 2015 rund 27 Prozent der Ausbildungsstellen allein im Beruf Bäcker/in unbesetzt. Ausbildungsplätze, die in den zurückliegenden Jahren nicht vergeben werden konnten, führen heute bereits zu gravierenden Engpässen und offenen Fachkräftestellen. Um potentielle Auszubildende für das Bäckerhandwerk zu gewinnen und ihnen die Perspektiven aufzuzeigen, setzt sich der Zentralverband künftig noch stärker für die Nachwuchsarbeit ein. Zahlreiche Maßnahmen wurden bereits angestoßen. Der Zentralverband hat sich für eine kontinuierliche Erhöhung der tariflichen Ausbildungsvergütung stark gemacht. 2016 wurde die Vergütung für Lehrlinge des Bäckerhandwerks angehoben und wird zum 01. September 2017 erneut steigen. Gemeinsam mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) wurde die Aufstiegsfortbildung «Geprüfte/r Verkaufsleiter/in im Lebensmittelhandwerk» erarbeitet und in Kraft gesetzt. «Der Nachwuchs ist unsere Zukunft. So engagieren wir uns an allen Fronten, um die Attraktivität und die Ausbildungsqualität unseres Handwerks zu erhöhen. Reformen der Ausbildungsverordnung, Einsatz von Ausbildungsbeauftragten, Korrektur der staatlichen Bildungs- und Familienpolitik in Zusammenarbeit mit dem ZDH – dies sind nur einige weitere Punkte, die an dieser Stelle zu nennen sind. Der wichtigste Baustein ist aus meiner Sicht aber noch immer unsere Nachwuchskampagne «Back dir deine Zukunft», ist Michael Wippler, Präsident des Zentralverbandes, überzeugt.

Erfolgreiche Nachwuchskampagne neu aufgestellt

«Mit «Back dir deine Zukunft» hat das Bäckerhandwerk die erfolgreichste Nachwuchskampagne eines Handwerks in Deutschland ins Leben gerufen. 175.000 Facebook-Fans und eine tägliche Reichweite von 20.000 bis 30.000 Personen sind eine gute Basis, auf der wir weiter aufbauen. Um auf aktuelle Entwicklungen des Arbeitsmarkts einzugehen, haben wir die Kampagne inhaltlich und optisch neu aufgestellt», verkündet Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes. So ist die Kommunikation 2017 noch breiter angelegt, um Betriebe und neue Zielgruppen anzusprechen. Mit dem aktuellen Relaunch der Webseite www.bddz.de wurde der technische Anspruch der Zielgruppen aufgegriffen, die Nutzbarkeit verbessert und die Inhalte für mobile Endgeräte optimiert. Mit der Darstellung der Inhalte in deutscher und englischer Sprache richtet sich die Nachwuchskampagne künftig an Jugendliche in Deutschland und der EU, Flüchtlinge sowie Quereinsteiger. Berufsinformationen, Stellenbörse, Hilfe für die Ausbildung und Leuchttürme als Best-Practice-Beispiele bieten vielfältige Informationen rund um den beruflichen Ein- und Aufstieg im Bäckerhandwerk. Erste Erfolge für die Ausbildung von Flüchtlingen konnte der Zentralverband bereits verzeichnen. «Ein wichtiger Meilenstein war das Inkrafttreten des Integrationsgesetzes, das die Forderung des Handwerks nach Rechtssicherheit für die Betriebe während der Ausbildung von Flüchtlingen umsetzt», führt Daniel Schneider weiter aus und fügt hinzu: «Die Betriebe haben während der gesamten Dauer der Ausbildung die Rechtssicherheit, dass eine begonnene Ausbildung auch abgeschlossen werden kann. Zudem besteht nach dem Abschluss einer Ausbildung ein Aufenthaltsrecht für zwei weitere Jahre, um den Ausbildungsanstrengungen Rechnung zu tragen».

20170518-CEM-OEZDEMIR

Botschafter des Deutschen Brotes 2017 und Schirmherr der Nachwuchskampagne

Zum Botschafter des Deutschen Brotes 2017 wurde Cem Özdemir ernannt, Bundesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der wie die deutsche Brotkultur für Vielfältigkeit und Bodenständigkeit steht. Er engagiert sich für Tradition und Integration und wurde nicht nur deshalb zum Schirmherrn der Nachwuchskampagne gekürt: «Die Schirmherrschaft der tollen Initiative «Back Dir Deine Zukunft» ist für mich besonders wertvoll, denn gerade das Bäckerhandwerk bietet jungen Menschen eine gute Perspektive», reflektiert Özdemir seine neue Rolle. Als Vertreter eines starken Mittelstands sieht der Zentralverband in ihm ein erfolgreiches Sprachrohr in Richtung Politik, Wirtschaft und Gesellschaft (Fotos: pixabay.com / ZV / CemOezdemir).